Beratungen der Gesundheitsminister Lauterbach wirbt für Impfungen ab zwölf Jahren – Stiko zögert weiter

Ab wann sollen jungen Menschen Impfangebote gemacht werden? Die Gesundheitsminister planen, Vakzinen auch für 12- bis 17-Jährige bereitzustellen. Die Stiko will abwarten – und kritisiert den Druck aus der Politik.
Eine Jugendliche in München wird geimpft

Eine Jugendliche in München wird geimpft

Foto: Sven Hoppe / picture alliance / dpa

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen an diesem Montag über Corona-Impfangebote für Kinder und Jugendliche beraten. Im Vorfeld schrieb das Bundesgesundheitsministerium bereits an die Länder: »Es werden nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige in den Impfzentren anbieten.«

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält das für angemessen. Dass die Politik hier jetzt Fakten schaffe, sei richtig, sagte Lauterbach im Deutschlandfunk vor Beratungen der Gesundheitsministerkonferenz zu dem Thema. Die wesentlichen Studien zur Impfung von Kindern zeigten, dass eine Durchseuchung mit der Delta-Variante des Coronavirus gefährlicher sei als eine Impfung. Wissenschaftlich komme er klar zu dem Ergebnis, dass Impfungen Kindern helfen.

Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC, die weltweit wohl die besten Experten habe, empfehle die Impfung von Kindern. In den USA seien mehr als sechs Millionen Kinder geimpft, die Immunisierung sei hier gut untersucht.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: Die Stiko vertritt eine »Außenseiterposition«

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: Die Stiko vertritt eine »Außenseiterposition«

Foto: Political-Moments / imago images

In Deutschland habe jeder fünfte Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren mittlerweile eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten, twitterte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag. In absoluten Zahlen sind es 900.000.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im Mai den Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte auch die Freigabe für Moderna. Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung trotz heftigen politischen Drucks bisher jedoch nur vor allem Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Lauterbach sagte, die Stiko vertrete hier eine »Außenseiterposition«.

Müller weist auf hohe Inzidenzen bei jungen Menschen hin

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) plädierte ebenfalls für ein Impfangebot für Kinder und Jugendliche. »Wenn wir die Chance haben, dann sollten wir sie doch nutzen«, sagte der SPD-Politiker, der derzeit der Ministerpräsidentenkonferenz vorsitzt, in der ARD. Es gebe Erkenntnisse, dass Kinder und Jugendliche auch unter Langzeitfolgen einer Coronainfektion litten.

Zugleich sei die Impfung selbst nicht so risikoreich, wie manche befürchteten. Müller verweist auf Berlin, wo es bei den 15- bis 25-Jährigen eine doppelt bis vierfach so hohe Inzidenz gebe wie bei den anderen Bevölkerungsgruppen. »Darauf zu reagieren und ein Angebot zu machen – es ist ja keine Pflicht – dass man sich überall impfen lassen kann, das finde ich sehr sachgerecht.«

Stiko wehrt sich gegen Druck aus der Politik

Die Impfkommission bleibt trotz der wiederholten Forderungen aus der Politik bei ihrer abwartenden Haltung zur Impfung von Kindern und Jugendlichen. Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens sagte am Montag dem Sender NDR Info, es gebe noch zu wenige Daten über mögliche gesundheitliche Folgeschäden für 12- bis 17-Jährige. »Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben.«

Politischer Druck für eine schnelle Entscheidung habe keinen Einfluss auf die Stiko, machte Mertens deutlich. »Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben«, sagte der Stiko-Vorsitzende.

lau/dpa
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