Coronapandemie Lauterbach will Quarantäne für wichtige Berufe auf fünf Tage verkürzen

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat mit dem Robert Koch-Institut Vorschläge für eine neue Quarantäneverordnung erarbeitet. Angestellte der kritischen Infrastruktur sollen nach SPIEGEL-Informationen kürzer in Quarantäne.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach

Foto: Omer Messinger / Getty Images

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat in einer Videoschalte mit seinen Amtskolleginnen und -kollegen aus den Ländern eine Empfehlung für eine neue Quarantäneverordnung vorgestellt. Das Papier hatte sein Ministerium gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut erarbeitet, es liegt dem SPIEGEL vor.

Lauterbach und die Experten schlagen vor, bei der Dauer zwischen Quarantäne und Isolation zu unterscheiden. Eine Quarantäne erfolgt nach Kontakt zu einem Infizierten, eine Isolation nach Erkrankung.

Allgemein gilt:

  • Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat oder Kontakt zu einem Infizierten hatte, muss für zehn Tage in Isolation beziehungsweise Quarantäne.

  • Nach sieben Tagen darf die Isolation oder Quarantäne mit anschließender Testung beendet werden. Das Freitesten soll dabei möglichst mit einem PCR- oder hochwertigen Antigentest erfolgen.

Für Berufe wie Krankenpfleger, Ärztin oder Polizist, die zur kritischen Infrastruktur gehören, gilt:

  • Die Quarantäne von Kontaktpersonen kann nach fünf Tagen mit einem negativen PCR-Ergebnis beendet werden.

  • Die Isolation von Infizierten kann nach sieben Tagen mit einem negativen PCR-Ergebnis beendet werden.

Gleichzeitig fällt die bisherige Unterscheidung weg, ob man mit der bisher dominierenden Virusvariante oder einer sogenannten variant of concern in Kontakt gekommen ist. Bislang waren die Quarantäne- und Isolationsregeln bei Kontakt mit der Omikron-Variante etwa schärfer als bei der Delta-Variante. Mit dieser Entscheidung tragen Gesundheitsministerium und RKI der aktuellen Entwicklung Rechnung: Es wird davon ausgegangen, dass Omikron in Kürze auch in Deutschland die dominante Variante wird.

Mit den Regeln will Lauterbach die kritische Infrastruktur am Laufen halten. Eine Verkürzung der Quarantänezeiten sei möglich, weil Omikron eine kürzere Generationszeit habe als Delta – also weniger lange ansteckend sei –, heißt es in dem gemeinsamen Papier.

Um den Schul- und Kitabetrieb aufrechtzuerhalten, gibt es auch für Kinder kürzere Quarantänezeiten: Sie müssen nur noch fünf Tage in Quarantäne bei anschließender Testung.

Bundesgesundheitsministerium und RKI schlagen zudem folgende Ausnahmen von der Regelung vor:

  • Geboosterte können ab sieben Tagen nach ihrer dritten Impfung von der Quarantänepflicht für Kontaktpersonen ausgenommen werden.

  • Auch frisch Geimpfte (ab dem 14. Tag und bis zu zwei Monate nach der zweiten Impfung) müssen als Kontaktpersonen nicht in Quarantäne.

  • Gleiches gilt für Genesene, deren Erkrankung weniger als zwei Monate zurückliegt.

Die Empfehlung von Bundesgesundheitsministerium und RKI soll bei der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) diskutiert werden und anschließend Thema bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Freitag sein. Bund und Länder wollen bei dem Treffen Beschlüsse über weitere Coronamaßnahmen treffen.

Gesundheitsminister unterscheiden in Entwurf zwischen Geimpften und Ungeimpften

Vor dem Treffen kursierte zunächst ein Beschlussentwurf einiger Landesgesundheitsminister, der eine Unterscheidung bei den Quarantänezeiträumen zwischen Geimpften und Ungeimpften vorsah.

Verfasser der Beschlussvorlage waren die Gesundheitsministerinnen von Sachsen-Anhalt – das gerade den Vorsitz der Konferenz von Bayern übernommen hat – und Rheinland-Pfalz. In dem Papier hieß es, die GMK solle folgende Leitlinien beschließen:

  • Infizierte, ungeimpfte Personen sollen weiter zehn Tage in Quarantäne. Danach müssen sie einen PCR-Test machen.

  • Bei vollständig geimpften Infizierten endet die Quarantäne bereits nach sieben Tagen und einem negativen Schnelltest.

  • Bescheinigt der Arbeitgeber Geimpften die Zugehörigkeit zur kritischen Infrastruktur, kann die Quarantäne bereits nach fünf Tagen mit einem negativen PCR-Test beendet werden, damit die Arbeit wieder aufgenommen werden kann

  • Ungeimpfte enge Kontaktpersonen sollen nur noch sieben Tage in Quarantäne und können diese durch PCR-Test beenden – sofern sie keine Symptome zeigen, sogar nur durch einen negativen Schnelltest.

  • Vollständig geimpfte enge Kontaktpersonen, deren zweite Impfung länger als drei Monate zurückliegt, müssen nur fünf Tage in Quarantäne, wenn sie dann einen negativen Schnelltest haben.

  • Wer geboostert ist, soll nicht mehr in Quarantäne.

Als Sonderfall werden in der Vorlage Schulen und Kitas genannt. Dazu heißt es in dem Entwurf: »Von der Einstufung von Kindern als enge Kontaktpersonen ist allenfalls zurückhaltend Gebrauch zu machen.«

Neben der Beschlussvorlage hat Baden-Württemberg vorgeschlagen, sich über eine Vereinheitlichung von 2G- und 2G-plus-Regelungen in den Ländern auszutauschen.

mfh/cte