Coronakrise in der Hauptstadt Berlin steht vor dem harten Shutdown

»Es geht nicht anders«: Berlins Bürgermeister Michael Müller plant deutliche Einschränkungen für Einzelhandel und Schulen. Auch die Schließung von Geschäften vor Weihnachten ist im Gespräch.
Weihnachtsbaum vor dem Brandenburger Tor in Berlin: Stille Zeit

Weihnachtsbaum vor dem Brandenburger Tor in Berlin: Stille Zeit

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Andreas Friedrichs / imago images/A. Friedrichs

Die anhaltend hohen Corona-Zahlen in Berlin lassen sich aus Sicht der Landesregierung nur mit härteren Maßnahmen senken. Der Senat plant daher deutliche Einschränkungen für den Einzelhandel und längere Schulferien, wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Abgeordnetenhaus ankündigte.

Dabei schloss er nicht aus, dass viele Geschäfte schon vor Weihnachten geschlossen werden. »Wir werden den Einzelhandel herunterfahren müssen«, sagte er. »Jenseits vom Lebensmitteleinzelhandel müssen alle anderen Shoppingangebote geschlossen werden, und zwar bis zum 10. Januar, es geht nicht anders.«

Vor Berlin hatte bereits Sachsen, zurzeit bundesweit das Land mit den höchsten Zahlen, einen harten Lockdown ab Montag angekündigt. Schulen, Kitas, Horte und viele Geschäfte sollen geschlossen werden.

Neue Bund-Länder-Beratungen voraussichtlich am Wochenende

In Bayern gelten schon seit Mittwoch strengere Regeln wie Ausgangsbeschränkungen, Alkoholverbot in Innenstädten und Ausgangssperren in Hotspots.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich am Mittwoch im Bundestag für einen harten Lockdown nach Weihnachten und bis zum 10. Januar ausgesprochen. Voraussichtlich am Wochenende soll es neue Beratungen dazu mit den Ländern geben. Müller ist derzeit auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz.

Ab wann die verschärften Corona-Regeln in Berlin greifen sollen, steht Müller zufolge noch nicht fest. »Ich kann Ihnen noch nicht konkret den Tag sagen, ob es nun der 23. ist oder der 20., weil wir das auch mit Brandenburg abstimmen müssen und abstimmen wollen«, sagte er. Der Senat will sich am kommenden Dienstag mit der Frage befassen.

Auch an den Schulen in Berlin müsse es Konsequenzen geben: »Es gibt wahnsinnig viele Kontakte durch Schulgeschehen, durch den Unterricht. Und wir müssen Kontakte vermeiden«, sagte Müller. »Aus diesem Grund komme ich zu dem Ergebnis, dass wir unsere Schulferien bis zum 10. Januar verlängern müssen beziehungsweise es auch eine Variante ist, die Ferien am 4. enden zu lassen, aber die Schülerinnen und Schüler dann in einer digitalen Form oder auf andere Weise zu unterrichten.«

Der Teil-Shutdown seit dem 2. November mit der Schließung von Gaststätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen hätte zwar etwas gebracht. »Wir konnten die Infektionsdynamik abbremsen. Aber das ist nicht genug«, sagte Müller. Er verwies auf volle Intensivstationen und zweistellige Todeszahlen pro Tag in Berlin im Zusammenhang mit dem Coronavirus. »Das ist alles nichts, womit man sich abfinden kann.«

mes/dpa