Coronakrise in Europa Bundesregierung spricht Reisewarnung für Teile Kroatiens aus

Das Auswärtige Amt hat wegen gestiegener Fallzahlen Reisewarnungen für Teile Kroatiens ausgesprochen. Die Reisewarnung gilt unter anderem für die Hafenstadt Split und den Nationalpark Krka.
Autos an der Grenze zwischen Österreich und Slowenien - Österreich hat bereits vor einigen Tagen eine Reisewarnung für Kroatien ausgesprochen

Autos an der Grenze zwischen Österreich und Slowenien - Österreich hat bereits vor einigen Tagen eine Reisewarnung für Kroatien ausgesprochen

Foto: Erwin Scheriau / dpa

Die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigen in Teilen Kroatiens weiter stark an. Deswegen hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für Teile des Urlaubslands ausgesprochen. Die Reisewarnung gilt für die beiden südlichen Verwaltungsbezirke, die sogenannten Gespanschaften Sibenik-Knin mit dem Nationalpark Krka sowie Split-Dalmatien mit der Hafenstadt Split und den Inseln Brac und Hvar. Zuvor hatte das bundeseigene Robert Koch-Institut (RKI) die Regionen als Risikogebiet eingestuft.

"Das Covid-19-Infektionsaufkommen war in Kroatien über mehrere Wochen niedrig, nimmt zuletzt allerdings stark zu. In den Gespanschaften Sibenik-Knin und Split-Dalmatien liegen die Inzidenzen derzeit bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner auf sieben Tage", betonte das Auswärtige Amt. Über die vergangenen 14 Tage steht diese Ziffer für ganz Kroatien bei 37,7.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass für heimkehrende Urlauber eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben. Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat.

Kroatische Tourismusbranche fürchtet weitreichende Reisewarnung

Die kroatische Tourismusbranche fürchtet eine weitreichende Reisewarnung der Bundesregierung. Diese "würde uns am härtesten treffen", sagte der Direktor der kroatischen Zentrale für Tourismus in Frankfurt, Romeo Draghicchio, der Nachrichtenagentur dpa. "Die Deutschen sind unsere Urlaubsgruppe Nummer eins." Derzeit hielten sich etwa 180.000 Urlauber aus Deutschland in dem EU-Land an der Adria auf, die meisten davon auf der nördlichen Halbinsel Istrien und an der Kvarner Bucht vor Rijeka. Dort gebe es nur wenige aktive Corona-Fälle, betonte Draghicchio.

Zuletzt hatte Kroatien einen steilen Neuanstieg an Corona-Fällen registriert. Am Mittwoch meldeten die Behörden einen Höchstwert von 219 Fällen innerhalb der vergangenen 24 Stunden. Damit gibt es in dem Land mit etwa 4,19 Millionen Einwohnern nun 1520 aktive Fälle. "Die Lage hat sich etwas geändert in den letzten Tagen, die Zahl der Neuerkrankungen ist etwas höher", räumte Draghicchio ein. Zugleich betonte er: "Aber wir glauben, dass die Lage noch im Griff ist."

Er zeigte sich zuversichtlich, dass mithilfe neuer Maßnahmen die Zahlen bald wieder sinken. So müssen Klubs nun um Mitternacht schließen. Außerdem gelten Abstandsregeln sowie Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr sowie in geschlossenen öffentlichen Räumen.

Kroatien registriert 50 Prozent weniger Urlauber als im Vorjahreszeitraum

Der Tourismus ist eine sehr wichtige Branche in Kroatien: Er macht etwa 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Die Tourismussaison dauert normalerweise bis Oktober. Im Falle einer deutschen Reisewarnung würde ein Großteil der Einkommen in der Nachsaison wegfallen, sagte Draghicchio. "Wir hoffen, dass es keine Insolvenzen geben wird."

Im Jahresvergleich registrierte das Land fast 50 Prozent weniger Urlauber als im Vorjahreszeitraum. "Bis Mitte Juni ging fast nichts. Aber seitdem sind die Zahlen viel besser geworden", sagte der Reiseexperte. Im August seien es bereits 70 Prozent der Ankünfte im Vergleich zum Vorjahr gewesen.

Österreich und Italien haben bereits eine Reisewarnung für Kroatien verhängt. Am Donnerstag wollte das Nachbarland Slowenien ebenfalls eine Warnung aussprechen. "Die Situation in Kroatien verschlechtert sich dramatisch", sagte der zuständige slowenische Regierungssprecher Jelko Kacin am Mittwoch. Jeder Slowene, der von diesem Freitag an aus Kroatien zurückkehrt, müsse in Quarantäne, kündigte er an. In Slowenien machten Reiserückkehrer aus Kroatien am Montag den Behörden zufolge mehr als die Hälfte der positiven Corona-Fälle aus, die meisten sind junge Menschen unter 35.

Anmerkung: In der Bildunterschrift hieß es, das Foto zeige die Grenze zwischen Österreich und Kroatien - das war nicht korrekt, es handelt sich um die slowenisch-österreichische Grenze. Wir haben das geändert.

höh/dpa