Corona-Amtshilfe Bundeswehrsoldaten in jedem zweiten Gesundheitsamt eingesetzt

Landesweit geraten Gesundheitsämter bei der Corona-Kontaktverfolgung ans Limit, fast die Hälfte haben die Bundeswehr zu Hilfe gerufen. Auch Truppenkliniken richten sich auf eine Eskalation der Krise ein.
Soldatin des Jägerbataillons 292 unterstützt in Stuttgart das Gesundheitsamt bei der Corona-Kontaktnachverfolgung

Soldatin des Jägerbataillons 292 unterstützt in Stuttgart das Gesundheitsamt bei der Corona-Kontaktnachverfolgung

Foto: Marijan Murat / dpa

Die zweite Coronawelle in Deutschland führt zu immer mehr Hilferufen der lokalen Gesundheitsämter an die Bundeswehr. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es am Samstagabend, mittlerweile seien in jedem zweiten der rund 400 Gesundheitsämter Soldaten eingesetzt. Insgesamt helfen demnach rund 3200 Soldaten bei der arbeitsaufwendigen Kontaktnachverfolgung von Corona-Infektionen.

Einer der Schwerpunkte der Amtshilfe durch die Bundeswehr ist die Hauptstadt Berlin, wo gut 400 Soldaten bei der Kontaktnachverfolgung eingesetzt sind. Fast alle der zwölf Bezirke haben mittlerweile Unterstützung von der Truppe angefordert, nur der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bleibt bei seiner viel diskutierten Ablehnung der Amtshilfe. Dort will man stattdessen zivile Helfer einsetzen.

Weiterer Amtshilfe-Hotspots sind Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern. Insgesamt hat die Bundeswehr derzeit rund 4000 Soldaten bei der Unterstützung der zivilen Behörden im Einsatz. Neben der Unterstützung der Gesundheitsämter sind auch mehrere Hundert Soldaten, meist aus den Sanitätseinheiten, bei den Teststationen an den Flughäfen und Bahnhöfen eingesetzt.

Soldaten auf Krisenmission vorbereitet

Seit dem Beginn der Coronakrise hält die Truppe fast 15.000 Soldaten für mögliche Corona-Einsätze bereit, teilweise sind die Soldaten in 24 Stunden mobilisierbar. Bisher sind die Soldaten ausschließlich für nicht-exekutive Hilfsleistungen abgestellt, da das Grundgesetz für einen Einsatz der Truppe im Innern enge Grenzen setzt. Das könnte sich ändern, wenn einzelne Bundesländer den Katastrophenfall ausrufen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte dies kürzlich erstmals angedeutet.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte ihre Truppe bereits Ende der Woche auf eine regelrechte Krisenmission eingestimmt. Per Tagesbefehl warnte die Ministerin, die zweite Corona-Welle treffe Deutschland gerade "mit voller Wucht", deswegen komme der Bundeswehr "eine wichtige Rolle zu". Neben Soldaten, so die Ministerin, müsse die Truppe in den kommenden Wochen auch Teile ihrer zivilen Mitarbeiter für die Hilfseinsätze und Amtshilfen mobilisieren.

Auch die fünf Bundeswehrkrankenhäuser haben sich nach einer kurzen Ruhephase während des Sommers wieder voll auf Covid-Patienten eingestellt. Gut 80 Prozent der 134 Intensivbetten für schwer Erkrankte und rund 1370 sogenannte "Normal Care"-Betten für leichtere Verläufe wurden für zivile Patienten reserviert, hieß es aus dem Ministerium. Die Kliniken der Truppe befinden sich unter anderen in Berlin, Hamburg, Koblenz und Ulm.

mgb