Betrugsmasche in Coronakrise Europol warnt vor minderwertigen Schutzmasken

In der Coronakrise herrscht ein harter Wettbewerb um Schutzmasken. Die Polizeibehörde Europol warnt nach SPIEGEL-Informationen vor unbrauchbarer Ware, die Betrüger in Umlauf bringen.
Europol-Zentrale in Den Haag

Europol-Zentrale in Den Haag

Foto: Piroschka van de Wouw / REUTERS

Schutzmasken sind in der Coronakrise äußerst begehrt. Das machen sich Betrüger zunutze, die mit gefälschten und minderwertigen Produkten abkassieren wollen. Nun hat die europäische Polizeibehörde Europol die EU-Staaten eindringlich vor dieser Masche gewarnt. In einer vertraulichen Meldung an die Polizeibehörden der einzelnen Länder ist nach SPIEGEL-Informationen von kriminellen Banden die Rede, die wegen der hohen Nachfrage an Schutzmaterial ein schnelles Geschäft wittern und wirkungslose Billigware bei staatlichen Stellen und Kliniken anbieten.

Auch die deutschen Behörden stellen nach SPIEGEL-Informationen seit einigen Wochen einen sprunghaften Anstieg entsprechender Vergehen im Zusammenhang mit der Coronakrise fest. "Bei Betrugsdelikten wird die Angst vor dem Coronavirus auf vielfältige Weise ausgenutzt", heißt es in einem vertraulichen Vermerk des Bundesinnenministeriums.

Demnach registriert das Bundeskriminalamt, dass "im Internet vermehrt gefälschte Medikamente und Medizinprodukte wie Schutzmasken und Handdesinfektionsmittel gegen Covid-19 sowie angebliche Tests für zu Hause angeboten" werden. Daneben komme es verstärkt zu Diebstählen aus Lagern für Medizinprodukte.

Die Polizei in Frankfurt meldete zudem "die Entstehung eines Schwarzmarktes für Schutzausrüstung", auf dem das Material wie an der Börse je nach Nachfrage versteigert werde. Wegen des Auftretens organisierter Banden ordneten die Behörden bereits vor zwei Wochen an, die Bundespolizei müsse Großtransporte von Masken bewachen.

"Die internationalen Verbrechergruppen, die an der Herstellung und Verteilung gefälschter Waren beteiligt sind, haben sich einmal mehr als sehr anpassungsfähig erwiesen"

Vertraulicher Europol-Bericht

Europol warnt seit Wochen, gefälschte Gesichtsmasken würden in den Umlauf gebracht. Die Europäische Polizeibehörde geht davon aus, dass der Verkauf gefälschter Masken oder solcher, die nicht den vorgegebenen Standards entsprechen, zunehmen wird. Hintergrund ist die Maskenpflicht, die nun viele Bundesländer oder EU-Staaten einführen. Sie führt zu einer gesteigerten Nachfrage (eine Übersicht zur Maskenpflicht in den Bundesländern finden Sie hier).

Europol hat zu dem Phänomen einen detaillierten Bericht erstellt. "Die internationalen Verbrechergruppen, die an der Herstellung und Verteilung gefälschter Waren beteiligt sind, haben sich einmal mehr als sehr anpassungsfähig erwiesen", heißt es darin.

Die kriminellen Gruppen waren demnach schnell in der Lage, jeweils neu nachgefragte Produkte - etwa Masken, angebliche Corona-Tests oder Anti-Malaria-Präparate - der wachsenden Nachfrage anzupassen. Die meisten gefälschten Waren würden dabei nicht im Darknet, sondern im einfach zugänglichen Internet angeboten, so die Polizeibehörde.

Als Beispiele für gelungene Polizeiarbeit nennt die Behörde einen Einsatz der französischen Polizei. Die habe dafür gesorgt, dass Websites vom Netz gehen mussten, auf denen Coronavirus-Tests angeboten worden seien, die Ergebnisse binnen zweier Minuten versprochen hätten. Eine Betrugsbekämpfungseinheit in Rumänien beschlagnahmte 1900 Masken, die für Krankenhäuser vorgesehen waren. Die Masken, offenbar von einem Unternehmen in Brasilien hergestellt, entsprächen nicht den nötigen Standards, hieß es.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Europol warnt, dass die Betrugsfälle erneut zunehmen könnten, wenn es eine Impfung gegen das Coronavirus gebe. "Das wird sehr wahrscheinlich die nächste Welle für gefälschte Impfstoffe auslösen", heißt es in dem Report. Die belgische Europol-Direktorin Catherine De Bolle sagte bereits Ende März: "Solche kriminellen Aktivitäten während einer Gesundheitskrise sind besonders bedrohlich und können Menschenleben gefährden."

Die Bundesregierung hofft, den Engpass an Masken mit mehreren Großtransporten aus China zu lindern. Ab dem 23. April  kommen nach SPIEGEL-Informationen alle zwei Tage drei riesige Antonov-Militärtransporter, die normalerweise für die Nato Militärausrüstung in den Einsatz fliegen, mit Maskenlieferungen in Deutschland an. An Bord sind um die 15 Millionen Schutzmasken und anderes Sanitätsmaterial.

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