Coronakrise FDP fordert Aufhebung des Blutspende-Verbots für schwule Männer

Während der Coronakrise werden Blutspender dringend gesucht. Homosexuelle Männer sind bislang überwiegend außen vor. Die FDP will das ändern - und schreibt einen Brief an Jens Spahn.
"Unter dem Blutspendeverbot leiden vor allem die, die nun dringend auf Spenderblut angewiesen sind", sagt die FDP

"Unter dem Blutspendeverbot leiden vor allem die, die nun dringend auf Spenderblut angewiesen sind", sagt die FDP

Foto: Daniel Scho¤fer/ imago images/Daniel Schäfer

Die Regelung stammt noch aus der Zeit der Aidskrise: In Deutschland dürfen homo- und bisexuelle Männer lediglich dann Blut spenden, wenn sie mindestens zwölf Monate keinen gleichgeschlechtlichen Verkehr mehr hatten. Doch angesichts der Coronakrise warnen Kliniken vor knapp werdenden Blutreserven. Die FDP fordert deshalb eine Lockerung der Regel.

In einem Brief fordert die Partei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dazu auf, sich angesichts der Corona-Pandemie für eine Aufhebung des weitgehenden Blutspendeverbots für schwule Männer einzusetzen.

Blutspendeverbot ist "lebensfremd"

"Unter dem Blutspendeverbot leiden vor allem die, die nun dringend auf Spenderblut angewiesen sind", schrieben die FDP-Bundestagsabgeordneten Jens Brandenburg und Kathrin Helling-Plahr in dem Brief an den Minister. Das weitgehende Blutspendeverbot sei "lebensfremd". Einen ähnlichen Brief schrieben die beiden Liberalen an die Bundesärztekammer.

Helling-Plahr und Brandenburg kritisierten das Verbot: "Entscheidend für ein Infektionsrisiko ist nicht die sexuelle Identität eines Menschen, sondern das tatsächliche Risikoverhalten, zum Beispiel durch ungeschützten Sexualverkehr mit häufig wechselnden Partner/innen."

Bereits in der Vergangenheit hatte die FDP eine Abschaffung des Blutspendeverbots für Homo- und Transsexuelle gefordert. Im Kampf gegen die Corona-Pandemie könne "die Spende von Blut und Blutbestandteilen bedeutend sein", schrieben die Abgeordneten nun in dem Brief an Spahn. "Die Sicherstellung der Versorgung mit den überlebenswichtigen Blutpräparaten wird zu einer immer größeren Herausforderung."

Sie forderten Spahn auf, bei der Bundesärztekammer unverzüglich darauf hinzuwirken, "dass die medizinische Beurteilung zur sicheren Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen nicht mehr von der sexuellen Identität abhängig gemacht wird". Die USA etwa hätten ihr Blutspendeverbot für homosexuelle Männer am 2. April bereits mit sofortiger Wirkung gelockert.

mfh/AFP