Reisen in Corona-Zeiten Deutsche Flughäfen bereiten Einführung von Fiebertests vor

Im Eiltempo arbeiten Airlines und Flughäfen an Konzepten, um den eingeschlafenen Flugverkehr wiederzubeleben. Nach SPIEGEL-Informationen stellen sich deutsche Airports auf flächendeckende Fiebermessungen ein.
Am Flughafen Frankfurt teilt ein Mitarbeiter eine Schutzmaske an einen Fluggast aus

Am Flughafen Frankfurt teilt ein Mitarbeiter eine Schutzmaske an einen Fluggast aus

Foto: Bloomberg/ Getty Images

Die deutschen Flughäfen bereiten sich nach SPIEGEL-Informationen wegen der Coronakrise auf die Einführung flächendeckender Fiebertests für alle abfliegenden und ankommenden Passagiere vor. Von Insidern aus der Luftfahrtbranche hieß es, die großen Airports wie Frankfurt oder München könnten die Maßnahme umgehend starten, entsprechende Konzepte seien schon erstellt. Die Tests sollen eine langsame Wiederaufnahme des Passagierverkehrs in den nächsten Monaten möglich machen.

Der europäische Verband der Flughäfen arbeitet derzeit an einer Art Neustartprogramm für den Flugverkehr innerhalb der EU. Unter dem Arbeitstitel "Off the ground" schreiben derzeit Experten aus mehreren Partnerländern der Europasektion des "Airports Council International" (ACI) an einem Konzept mit vielen einzelnen Sicherheitsmaßnahmen.

Offiziell will der ACI noch nicht über einzelne Maßnahmen sprechen. Auf eine entsprechende SPIEGEL-Anfrage hieß es nur, es werde das "volle Spektrum" von Hygiene- und Kontrollmaßnahmen diskutiert. Eine Sprecherin betonte, nur eine flächendeckende europäische Lösung ergebe Sinn. Nur so würden die Sicherheitsmaßnahmen greifen und der Wirtschaftszweig könne sich erholen.

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Die Temperaturmessungen wären nur eine Säule eines komplexen Systems, um Ansteckungen im Flugverkehr zu verhindern:

  • Im Gespräch ist ein gestaffeltes Einchecken der Passagiere, um Warteschlangen zu verhindern.

  • Auch das Einsteigen soll entsprechend angepasst werden. Fahrten zum Flugzeug in engen Bussen soll es zunächst gar nicht geben.

Die wirklich heiklen Fragen sind noch offen

Schon jetzt ist klar, dass der Flugverkehr alles andere als normal starten wird. Insider rechnen zum Beispiel damit, dass Passagiere mindestens vier Stunden vor Abflug am Flughafen sein müssen. Besonders für Inlandsflüge ist das nicht sehr attraktiv.

Offen sind bisher noch die wirklich heiklen Fragen. So plädieren einige Sicherheitsexperten dafür, Reisende müssten am besten einen Immunitätsausweis mit einem positiven Antikörpertest vorzeigen.

Noch schärfere Konzepte sinnieren über einen Corona-Schnelltest am Airport. Sollte der nicht negativ ausfallen, würde der Mitflug verweigert. Spätestens bei diesen scharfen Maßnahmen dürfte es schwierig sein, für ganz Europa einen einheitlichen Weg zu finden. Diese Schritte wären nicht nur in Deutschland kaum durchsetzbar.

Schon jetzt registrieren Airports wie Frankfurt wieder etwas mehr Betrieb. Vor Corona wurden an dem Flughafen normalerweise pro Monat um die vier Millionen Passagiere abgefertigt. Inzwischen sind die täglichen Zahlen immerhin wieder näher an 10.000 Passagiere gerückt.

Von einer Erholung könne keine Rede sei, hieß es dazu von Insidern. Allerdings zeige die Kurve, dass gerade Geschäftsleute wieder reisen müssten und das trotz der Einschränkung auch täten. Im Luftfrachtbereich seien die Zahlen ebenfalls ermutigend; im Vergleich zum Vorjahr gibt es hier aktuell nur einen Rückgang im einstelligen Prozentbereich.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Die Fiebertests, seit Anfang des Jahres in vielen Ländern bereits üblich, sind medizinisch umstritten. Bereits bei der SARS-1-Epidemie verwendeten Flughäfen auf der ganzen Welt Temperaturtests bei der Einreise. In Australien etwa wurden Ohrthermometer eingesetzt: 1,84 Millionen Passagiere wurden überprüft, vier Fälle herausgefiltert. Keiner dieser Fälle hatte eine bestätigte Infektion. In Kanada und Singapur wurde die Körpertemperatur von Passagieren über eine Infrarotmessstation geprüft: Kein einziger Fall wurde entdeckt.

Temperaturmessung am Flughafen in Hongkong (Archivfoto)

Temperaturmessung am Flughafen in Hongkong (Archivfoto)

Foto: Christian Keenan/ Getty Images

Bei der Vogelgrippe-Infektionswelle 2009 kamen Einreisescreenings in Japan, Australien und Korea zum Einsatz. Hier war die Positivrate verschwindend gering. Und auch bei der Suche nach Passagieren, die mit einer Ebola-Infektion in die USA und nach England einreisen wollten, versagte das Fiebermessen als Schutzmaßnahme: Zwar fischte man in den Jahren 2014 und 2015 einige verdächtige Passagiere heraus, doch in keinem Fall bestätigte sich eine Ebola-Erkrankung.