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Streitthema Gottesdienste Seehofer kritisiert Osterbeschlüsse von Bund und Ländern scharf

»Ausgerechnet Parteien, die das C im Namen führen«: Innenminister Seehofer will die Bitte zum Verzicht auf Gottesdienste an Ostern nicht hinnehmen. Die Hygienekonzepte für Kirchen funktionierten doch.
Horst Seehofer (im Februar 2021)

Horst Seehofer (im Februar 2021)

Foto: JENS SCHLUETER / AFP

Aus den Reihen der Union war nach der Nachtsitzung von Bund und Ländern am Dienstag deutlicher Unmut an den Beschlüssen laut geworden. In der Fraktionssitzung wurde es turbulent. Nun hat sich mit Horst Seehofer ein weiterer prominenter Kritiker zu Wort gemeldet.

Der Bundesinnenminister kann sich mit den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu den Ostergottesdiensten überhaupt nicht anfreunden. »Es hat mich schon erstaunt, dass ausgerechnet Parteien, die das C im Namen führen, den Kirchen den Verzicht auf Gottesdienste nahelegen, noch dazu an Ostern«, sagte Seehofer der »Bild«-Zeitung .

Bund und Länder hatten in der Nacht zu Dienstag entschieden, Ostergottesdienste zwar nicht zu verbieten. Sie wollen aber die Religionsgemeinschaften bitten, religiöse Versammlungen an den Osterfeiertagen wegen der hohen Corona-Inzidenzwerte ausschließlich virtuell abzuhalten.

Es handle sich nicht um ein Verbot oder eine Forderung, Gottesdienste zu Ostern ausfallen zu lassen, sagte Seehofer. »Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich hier um eine Bitte handelt.« Sein Ministerium habe diesen Vorschlag auch nicht gemacht, »obwohl wir für die Religionen zuständig sind«. Seehofer wies dabei auf die zu Beginn der Pandemie gemeinsam mit den Kirchen ausgearbeiteten Hygiene-Konzepte hin, »die bis heute tadellos funktionieren«.

Katholische Kirche will der Bitte nicht nachkommen

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) will die Kirchen selbst entscheiden lassen, ob sie an Ostern Präsenzgottesdienste feiern oder nicht. In einem Interview mit den ARD-»Tagesthemen« am Dienstag sagte Kretschmer: »Wir sollten das nicht vorgeben als Politik.« Jeder werde nun darüber nachdenken und »ich habe keinen Zweifel daran, dass die Kirchen, die Religionsgemeinschaften einen klugen und verantwortungsvollen Weg finden werden«, sagte der CDU-Politiker.

DER SPIEGEL

Die katholische Kirche hat bereits am Dienstag angedeutet, der Bitte von Bund und Ländern nicht nachkommen zu wollen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ließ ihren Umgang mit der Bitte zunächst noch offen und kündigte eine Erklärung nach den Beratungen mit der Politik an.

Im vergangenen Jahr hatten die Kirchen im Lockdown auf öffentliche Ostergottesdienste verzichtet. Zu Weihnachten gab es Gottesdienste mit besonders strengen Regeln – viele Gemeinden verlagerten die Feiern nach draußen, auch wurden Voranmeldungen verlangt und blieben die Besucherzahlen stark begrenzt.

Auf der Fraktionssitzung ging es hoch her

Zuvor hatten Teilnehmer der Sitzung der Unionsfraktion von einer »explosiven Stimmung« gesprochen. Nach SPIEGEL-Informationen meldeten sich gut ein Dutzend Abgeordnete zu Wort, überwiegend mit sehr kritischen Beiträgen. So forderte der CDU-Abgeordnete Kai Whittaker, die Unions-Ministerpräsidenten müssten in der nächsten Fraktionssitzung erscheinen und sich erklären. Er könne das Wirrwarr den Bürgern im Wahlkreis nicht mehr erklären, wird er zitiert.

Die Kritik kam demnach auch von Mitgliedern der Fraktionsführung, darunter der stellvertretenden Fraktionschefin Gitta Connemann. Ein »Orkan gesellschaftlicher Kritik« ziehe über die Parlamentarier hinweg, twitterte die Abgeordnete Elisabeth Motschmann.

Die Stimmung in der Union verschlechtert sich auch vor dem Hintergrund eines dramatischen Umschwungs in den Meinungsumfragen. Zuletzt waren CDU und CSU in einigen Umfragen unter die 30-Prozent-Marke gerutscht.

jok/AFP