Unterstützung bei Schutzmaterialien Heinsberger Landrat bittet China um Hilfe

Der nordrhein-westfälische Kreis Heinsberg ist besonders von der Corona-Pandemie betroffen. Der örtliche Landrat richtet nun einen Appell an Peking.
Heinsberger Landrat Stephan Pusch

Heinsberger Landrat Stephan Pusch

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Roberto Pfeil/ DPA

Anderswo bereiten sich die Menschen noch auf den massenhaften Corona-Ausbruch vor, in Heinsberg ist er längst da . Bei einer Karnevalssitzung hatten sich mehrere Menschen angesteckt, inzwischen zählt der nordrhein-westfälische Kreis mehr als tausend Infizierte und 21 Tote.

Die Lage ist denkbar angespannt. Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch hat sich nun zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden - und sich in der Krise an China gewandt. Der CDU-Politiker bat Peking um Unterstützung bei Schutzmaterialien. Die im Kreis verfügbaren Masken oder Schutzkittel reichten nur noch für ein paar Tage, schrieb Pusch in einem offenen Brief an den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Im Kampf gegen das Virus hätten die Verantwortlichen in China immer wieder betont, wie wichtig ausreichendes Schutzmaterial sei, so Pusch in dem Schreiben, das an die chinesische Botschaft in Berlin adressiert ist. "Soweit der Krisenstab und die Krankenhäuser hier vor Ort nicht ausreichend Schutzmaterialien besorgen können - was mehr als schwierig ist -, hätte das weitreichende schwere Folgen für das Gesundheitssystem im Kreis Heinsberg und für die Menschen hier. In meiner Funktion als Landrat bitte ich daher die Volksrepublik China um Unterstützung", heißt es in dem Brief weiter.

Da Mediziner in China offensichtlich auch die meisten Erfahrungen im Umgang mit Eindämmung und Bekämpfung des Coronavirus gemacht hätten, wäre ihm auch an einem fachlichen Erfahrungsaustausch gelegen, schreibt Pusch. Im Übrigen könne er sich eine Partnerschaft des Kreises mit der von der Epidemie besonders betroffenen chinesischen Provinz Wuhan gut vorstellen.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Nach heftiger Kritik der Krankenhäuser wollen auch Bund und Länder das geplante Milliardenpaket für die Kliniken in der Coronakrise nachbessern. Die Hilfen sind Teil eines umfangreichen Rettungspakets, auf das sich das Kabinett in Berlin am Montag verständigt hat.

Der Hilferuf an China zeigt jedoch, wie gering das Vertrauen in Heinsberg in die Unterstützung aus der Heimat ist. Pusch hatte am Wochenende im SPIEGEL bereits deutliche Kritik am Krisenmanagement seines Parteifreundes Armin Laschet geübt. "Wir haben sofort Schulen und Kitas geschlossen, und ich hätte mir gewünscht, dass man über einen solchen Schritt auch im Rest des Bundeslandes früher nachdenkt", sagte der Landrat. Pusch warf dem Ministerpräsidenten zudem vor, die Krise am Anfang nicht ernst genug genommen zu haben. "Wir hatten den Eindruck, dass man denkt: Okay, das ist ein Problem des Kreises Heinsberg", so Pusch: "Das hat schon wehgetan."

kev/vme/dpa