Coronakrise Hallen und Hotels sollen zu Krankenstationen umgebaut werden

Deutschland rüstet sich mit einem Krankenhaus-Notfallplan für den Höhepunkt der Krise: Hallen und Hotels sollen nach SPIEGEL-Informationen zu provisorischen Stationen umfunktioniert werden, Kliniken ihre Keller nach brauchbarem Material durchforsten.
Intensivbett auf einer Intensivstation der Uniklinik Dresden: Die Kapazitäten sollen verdoppelt werden

Intensivbett auf einer Intensivstation der Uniklinik Dresden: Die Kapazitäten sollen verdoppelt werden

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Ronald Bonß/ dpa

Angesichts stetig steigender Zahlen an Corona-Infizierten haben Bund und Länder am Dienstag einen Notfallplan für Krankenhäuser beschlossen. Kernziel ist es, die Intensivkapazitäten zu verdoppeln und Hallen, Hotels und Reha-Stationen zu Behandlungszentren für leichtere Fälle umzurüsten.

"Die Länder sollten mit den Kliniken in ihren Bundesländern, die über Intensivkapazitäten verfügen, Pläne erarbeiten, um dieses Ziel durch den Aufbau provisorischer Intensivkapazitäten zu erreichen", heißt es in dem "Grobkonzept Infrastruktur Krankenhaus", auf das sich Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), die Staatskanzleichefs der Länder und das Bundesgesundheitsministerium am Dienstag einigten. Derzeit gibt es in Deutschland rund 28.000 Intensivbetten.

Die Suche nach alternativen Standorten soll dem Papier zufolge in ganz Deutschland umgehend intensiviert werden. Um die Kliniken, die sich auf den Aufbau von Intensivkapazitäten konzentrieren, zu entlasten, müssten an anderen Kliniken und provisorischen Standorten zusätzliche Betten- und Behandlungskapazitäten aufgebaut werden.

Durch das "Auf-, Aus- und Umrüsten von Rehabilitationseinrichtungen, Hotels oder größeren Hallen können für die zahlreichen leichteren Behandlungsverläufe zusätzliche Kapazitäten aufgebaut werden, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme von DRK, THW und anderen Diensten", heißt es in dem Dokument. "Dies entlastet dann die Krankenhäuser für schwerere Verläufe."

Kliniken sollen ihre Lagerbestände prüfen

Zudem sollen alle Kliniken und weiteren Einrichtungen des Gesundheitswesens "ihre Lagerbestände, Altbestände und 'Keller' durchforsten nach Gerät (Betten, Liegen, EKGs, Beatmung etc.), das im Fall der Fälle genutzt werden kann".

Die Klinken werden zudem angehalten, "vorausschauende Personalplanung" zu betreiben, vorhandenes Personal zusätzlich zu schulen für einen etwaigen Einsatz im Intensivbereich sowie Konzepte zu entwickeln für den Einsatz von Medizinstudenten höherer Semester. Die Länder sollten Kontakt zu den Medizinischen Diensten der Krankenversicherung in den Ländern aufnehmen und gemeinsame Konzepte entwickeln, wie dort beschäftigte Ärzte und Pflegekräfte in der akuten Versorgung unterstützen können.

Mit dem Notfallplan versucht die Politik, Engpässe in der Versorgung und eine Überforderung des gesamten Gesundheitssystems zu vermeiden. Besonders die Lage in Italien gilt in der Bundesregierung als abschreckendes Beispiel. Krankenhäuser sind dort aufgrund der Vielzahl der Fälle teilweise völlig überfordert, gerade im Norden des Landes.

Experten rechnen mit einer massiven Ausbreitung von Corona-Infizierten in den kommenden Wochen auch in Deutschland. Die Fallzahl war am Dienstag auf über 8000 angestiegen. Hierzulande gibt es zwar deutlich mehr Intensivbetten als in Italien, allerdings fehlen vielerorts Pflegekräfte.

Berlin beschloss am Dienstag, auf dem Messegelände ein zusätzliches Covid-19-Krankenhaus mit 1000 Betten zu errichten. "Versorgt werden leicht Erkrankte mit Notwendigkeit der stationären Behandlung und Notfallbeatmungspatienten", schrieb der Regierende Bürgermeister Michael Müller auf Twitter.

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