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Familien in Corona-Pandemie SPD-Vizechefin Midyatli fordert mehr Kinderkrankentage

Wegen der Coronakrise sollten berufstätige Eltern an doppelt so vielen Tagen wie bisher kranken Nachwuchs betreuen können: Das fordert die stellvertretende SPD-Vorsitzende Serpil Midyatli im SPIEGEL.
aus DER SPIEGEL 33/2020
Kleiner Junge niest in ein Taschentuch (Archivfoto)

Kleiner Junge niest in ein Taschentuch (Archivfoto)

Foto: Nicolas Armer/ dpa

Die stellvertretende Bundesvorsitzende und Chefin der SPD Schleswig-Holstein Serpil Midyatli fordert, die Anzahl sogenannter Kinderkrankentage für Eltern wegen der Coronakrise bis Ende des Jahres zu verdoppeln. Die zusätzlichen Kosten solle der Bund tragen. "Wenn wir Unternehmen und Arbeitsplätze richtigerweise mit Milliarden retten, dürfen wir Familien die notwendige Hilfe nicht verwehren", sagte Midyatli dem SPIEGEL.

Auch unabhängig von der Pandemie hält die Sozialdemokratin eine Aufstockung dieser Betreuungstage für nötig, damit Beruf und Familie besser vereinbar sind. Sie will fünf bis zehn zusätzliche Tage im Regierungsprogramm ihrer Partei verankern.

DER SPIEGEL 33/2020

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Bisher dürfen Elternteile je zehn und alleinerziehende Mütter oder Väter bis zu 20 Arbeitstage im Jahr fehlen, um ihr bis zu zwölf Jahre altes krankes Kind zu betreuen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt auf Antrag 90 Prozent des entgangenen Nettogehalts. "Derzeit müssen Kinder aus Infektionsschutzgründen bereits bei leichtesten Schnupfensymptomen in vielen Bundesländern zu Hause bleiben", sagt die Kieler Politikerin. "Das stellt viele Eltern vor unlösbare Betreuungsprobleme." Bereits zuvor hätten die Kinderkrankentage nicht ausgereicht.

Serpil Midyatli (Foto vom Dezember 2019): "Wenn wir Unternehmen und Arbeitsplätze richtigerweise mit Milliarden retten, dürfen wir Familien die notwendige Hilfe nicht verwehren"

Serpil Midyatli (Foto vom Dezember 2019): "Wenn wir Unternehmen und Arbeitsplätze richtigerweise mit Milliarden retten, dürfen wir Familien die notwendige Hilfe nicht verwehren"

Foto: Odd ANDERSEN / AFP

Das sieht auch Ulrike Grosse-Röthig von der Bundeselternvertretung für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege so: "Schon vor Corona haben viele Einrichtungen darunter gelitten, dass Eltern erkältete, ansteckende Kinder brachten, weil ihre Kinderkrankentage aufgebraucht waren." In ihrer Not würden berufstätige Eltern dem Nachwuchs manchmal sogar fiebersenkende Mittel einflößen, berichtet Grosse-Röthig, damit die Erzieher in der Krippe oder Kita den Zustand eines Kindes zunächst nicht bemerkten.

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Von 2007 bis 2017 hat sich die Zahl der Mütter und Väter mehr als verdoppelt, die solche Tage in Anspruch nahmen: von 1,06 Millionen auf 2,45 Millionen. In Schweden können Eltern bis zu 120 Arbeitstage im Jahr für kranken Nachwuchs geltend machen und erhalten dabei in der Regel beinahe 80 Prozent Lohnausgleich. In Frankreich dürfen Eltern bis zu 22 Tage pro Monat für die Betreuung kranker Kinder zu Hause bleiben.

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