Coronakrise Unterricht in Schulen soll ab 4. Mai schrittweise wieder starten

Der Schulbetrieb in Deutschland soll am 4. Mai wieder aufgenommen werden. Darauf haben sich Bund und Länder verständigt. Allerdings geht es nicht gleich für alle Schüler wieder los.
Könnte ab Anfang Mai wieder stattfinden: richtiger Schulunterricht in richtigen Klassenzimmern, wenn auch vorerst noch unter besonderen Bedingungen

Könnte ab Anfang Mai wieder stattfinden: richtiger Schulunterricht in richtigen Klassenzimmern, wenn auch vorerst noch unter besonderen Bedingungen

Foto: Felix Kästle/ picture alliance/ dpa

Der Schulbetrieb in Deutschland soll am 4. Mai wieder starten - beginnend mit den Abschlussklassen, den Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen, und den obersten Grundschulklassen. Anstehende Prüfungen sind bereits vorher möglich. Darauf haben sich Bund und Länder am Mittwoch in einer Telefonkonferenz verständigt.

"Es ist natürlich eine ganz, ganz schwierige Situation für Eltern", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Verlängerung der Auszeit in den Bildungseinrichtungen um weitere zwei Wochen. Dennoch könne man nur "ganz behutsam" wieder in den Schul- und Kitabetrieb starten. Nach dem 4. Mai könne es nur schrittweise in Richtung Normalität gehen: "Ich weiß, wie viel Verzicht das für Eltern bedeutet, aber es ist einfach notwendig."

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erklärte: "Grundschulen und Kitas bleiben erst einmal zu." Das gelte mit Ausnahme der 4. Klassen, die vor dem Übergang in die weiterführenden Schulen stünden. Die bisher schon laufende Notbetreuung werde aber fortgesetzt und auf weitere Berufsgruppen ausgeweitet.

Auszüge aus dem Beschluss der Regierungschefs:

  • "Vor der Öffnung von Kindergärten, Schulen und Hochschulen ist ein Vorlauf notwendig, damit vor Ort die notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen getroffen und zum Beispiel die Schülerbeförderungen organisiert werden können."

  • "Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen der Abschlussklassen dieses Schuljahres sollen nach entsprechenden Vorbereitungen wieder stattfinden können."

  • "Über den jeweiligen Zeitpunkt der Aufnahme des Unterrichts der jeweiligen Klassenstufen und der Betreuung in Kindergärten berät die Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder vor dem Hintergrund der Entwicklung der Infektionszahlen."

Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder, die seit dem frühen Nachmittag über das weitere Vorgehen in der Coronakrise beraten hatten, erwarten bis zum 29. April von der Kultusministerkonferenz der Länder ein Konzept, "wie der Unterricht unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, insbesondere unter Berücksichtigung des Abstandsgebots durch reduzierte Lerngruppengrößen, insgesamt wieder aufgenommen werden kann".

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In diesem Konzept soll es jedoch nicht nur um den Unterricht selbst gehen, sondern auch um das Pausengeschehen und den Schulbusbetrieb: "Jede Schule braucht einen Hygieneplan." Die Schulträger seien aufgerufen, die hygienischen Voraussetzungen vor Ort zu schaffen und dauerhaft sicherzustellen.

Schnellstmöglich, aber nicht alle auf einmal

Um die Öffnung der Schulen hatte es zuvor heftige Debatten gegeben. Forscher der Wissenschaftsakademie Leopoldina hatten am Montag für eine schnellstmögliche Rückkehr in die Klassenzimmer plädiert, allerdings unter strengen Hygiene-Voraussetzungen und in kleinen Schritten: Den Anfang sollten vor allem jüngere Schüler machen, außerdem die Schüler in den Klassen 4 und 10. Dagegen hatten sich mehrere Landespolitiker ausgesprochen.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte sogar angekündigt, schon am kommenden Montag wieder mit dem Unterricht in ausgewählten Klassen zu starten - entgegen der Ansage ihres Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), der ausdrücklich vor Alleingängen gewarnt hatte. Der neue Termin am 4. Mai soll nach Aussage von Angela Merkel nun bundesweit gelten.

In einer ersten Reaktion zeigte sich die baden-württembergische Schulministerin Susanne Eisenmann zufrieden mit der Einigung der Ministerpräsidenten. "Die Schulen haben durch diese Entscheidung nun ausreichend Zeit, um sich organisatorisch wie auch für die unabdingbaren Hygiene- und Abstandsregelungen vorzubereiten", sagte die CDU-Politikerin.

"Gesundheitsschutz geht vor"

Eisenmann versicherte, dass es für Lehrerinnen und Lehrer, "die aufgrund ihres Alters, einer Vorerkrankung oder einer Schwangerschaft zur Risikogruppe gehören", Ausnahmen geben werde: "Sie werden bis auf Weiteres nicht an den Schulen unterrichten. Gleiches gilt für Schülerinnen und Schüler, die vorerkrankt sind, oder Schüler, deren Eltern zur Risikogruppe gehören. Gesundheitsschutz geht vor."

Deutlich skeptischer bewertet der Schulforscher Hans Brügelmann vom Deutschen Grundschulverband die Einigung. "Das Problem ist, dass Schulen und Familien in so unterschiedlichen Situationen sind, dass wir mit einer Pauschalregelung - etwa, dass zunächst nur alle Viertklässler wieder zum Unterricht gehen - niemals allen gerecht werden können", sagte Brügelmann im Gespräch mit dem SPIEGEL. Er schlägt stattdessen vor, die Schulen zunächst vor allem für diejenigen Kinder zu öffnen, die zu Hause keine Unterstützung bekommen, unabhängig vom Alter. Brügelmann will mit einer Petition dafür werben, das Konzept der stufenweisen Öffnung in den kommenden zwei Wochen noch einmal zu überdenken.

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) mahnt, über die Konzepte zur Schulöffnung noch einmal nachzudenken: "Es gibt noch viele Fragen, die zu klären sind", sagt Stefan Behlau, VBE-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen: "Wer vom Schulpersonal gehört zur Risikogruppe und kann überhaupt eingesetzt werden? Wie oft müssen Räume gereinigt werden und wer macht das? Können Maßnahmen für die Hygiene und Sicherheit umgesetzt werden?" Wenn diese Fragen geklärt seien, müsse es in den Schulen zunächst um die Kernarbeit gehen: "Zeit für zusätzliche Aufgaben wird kaum eine Schule haben."

als/him/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.