Coronakrise USA konfiszieren 200.000 für Berlin bestimmte Schutzmasken

Eine Lieferung von Atemschutzmasken, die Berlin für seine Polizisten bestellt hat, blieb in Bangkok hängen. Die USA haben das Paket einer US-Firma konfisziert - ein "Akt moderner Piraterie", sagt Berlins Innensenator.
Gefragtes Gut: Anleitung zum Aufsetzen von FFP-2-Masken

Gefragtes Gut: Anleitung zum Aufsetzen von FFP-2-Masken

Foto: Christian Beutler/ dpa

Berlin wollte seine Polizei mit Hunderttausenden Schutzmasken vor dem Coronavirus schützen - doch eine dringend benötigte Lieferung kommt nicht an. Der Grund: Die USA haben die Ware in Bangkok konfisziert, wie Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) mitteilte.

Die Masken der Klasse FFP2, die vor Ansteckung mit dem Coronavirus schützen können, waren nach seinen Angaben für die Polizei der Hauptstadt bestimmt. Berlin habe sie bei einem US-Unternehmen bestellt und bezahlt. Wie der "Tagesspiegel"  und der RBB berichten, wurden die Masken vom US-amerikanischen Hersteller 3M in China gefertigt. Offizielle Angaben dazu liegen noch nicht vor. In Bangkok seien sie dann in die USA umgeleitet worden, heißt es in den Berichten.

Die Regierung in Washington hat 3M per Gesetz verpflichtet, möglichst viele Atemschutzmasken vom Typ N95, wie sie in Krankenhäusern eingesetzt werden, an die USA zu liefern.

Geisel kritisierte das Vorgehen der USA scharf. "Wir betrachten das als Akt moderner Piraterie", erklärte er. "So geht man mit transatlantischen Partnern nicht um. Auch in globalen Krisenzeiten sollten keine Wildwest-Methoden herrschen." Die Bundesregierung müsse bei den USA auf die Einhaltung internationaler Regeln dringen. Offenbar stehe die Konfiszierung der Lieferung "im Zusammenhang mit dem Ausfuhrverbot für Masken der US-amerikanischen Regierung", sagte Geisel.

Die USA weisen die Vorwürfe hingegen zurück. Gegenüber dem Nachrichtenportal "t-online.de" teilte das Weiße Haus mit, dass die USA keinerlei Masken, die in ein anderes Land geliefert werden sollten, beschlagnahmt oder an sich genommen hätten. Ein hoher Regierungsbeamter sprach demnach von "Desinformation", die komplett falsch sei, schreibt "t-online.de" weiter. Beim Kauf von Materialien aus anderen Staaten beschritten die USA die "angemessenen Kanäle", hieß es.

Berlin steht mit dem Verlust nicht allein da. Jüngst hatten etwa französische Politiker den USA vorgeworfen, für Frankreich bestimmte Lieferungen von Schutzmasken in China aufzukaufen. Bislang gibt es dazu kein offizielles Statement der US-Regierung. Lediglich ein anonymer Regierungsvertreter sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Vorwürfe aus Frankreich seien "komplett falsch". Die US-Regierung habe "keine einzige Maske gekauft, die von China an Frankreich geliefert werden sollte". Allerdings prüft auch Kanada Berichte, wonach Bestellungen von den USA gestoppt wurden.

mes/dpa/AFP
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