Gastbeitrag in der "FAZ" Schäuble wirbt für Ausbau der Währungsunion zur Wirtschaftsunion

Als Antwort auf die Herausforderungen in der Coronakrise wirbt Wolfgang Schäuble für eine Wirtschaftsunion. Die EU-Staaten müssten näher zusammenrücken. Die aktuelle Debatte greife "entschieden zu kurz".
Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble: "Wir dürfen die Chance nicht wieder verpassen"

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble: "Wir dürfen die Chance nicht wieder verpassen"

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Bernd von Jutrczenka/ DPA

Um den wirtschaftlichen Herausforderungen in der Coronakrise beizukommen, plädiert Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) dafür, die 1999 gestartete Währungsunion zu einer Wirtschaftsunion auszubauen. In einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt er, es brauche "heute den Mut, den wir in der Krise 2010 nicht hatten, um endlich zu mehr Integration in der Eurozone zu kommen".

"Wir dürfen die Chance nicht wieder verpassen", schreibt er. Schäuble war von 2009 bis 2017 als Finanzminister maßgeblich am Management der Euro-Schuldenkrise beteiligt. Nun erinnerte er an die für die Entwicklung der EU übliche Politik kleiner Schritte auch bei der Gründung der Eurozone: "Man einigte sich nach zähem Ringen darauf, mit der Währungsunion anzufangen in der Erwartung, weitere Schritte zur Wirtschaftsunion würden folgen. Das ist nicht geschehen", so Schäuble.

Während die Währungspolitik in der Eurozone vergemeinschaftet wurde, sei die Wirtschaftspolitik in nationaler Verantwortung geblieben. "Dabei hatten nicht nur Ökonomen gewarnt", schreibt Schäuble, "dass die monetäre Union ohne eine politische Entsprechung auf Dauer nicht tragfähig sein würde."

Die aktuelle Diskussion in der Coronakrise greife "entschieden zu kurz", weil sie vorrangig um Aspekte der Finanzierung kreise, etwa darum, ob die geplanten Hilfsmittel als Zuschüsse oder als Kredite flössen. "Wir sollten sie aber viel stärker um die Frage führen, was wir konkret machen wollen, um Europa gemeinschaftlich voranzubringen."

Seit dieser Krise, so Schäuble, habe "auch der Letzte verstanden, dass wir eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik brauchen, um die Gemeinschaftswährung dauerhaft zu stabilisieren". Zugleich äußerte er die Überzeugung, "wir wären in Europa heute bedeutend weiter, wenn sich in der Griechenland-Krise 2010 die Idee durchgesetzt hätte, einen europäischen Währungsfonds aufzubauen."

mst/dpa
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