Söder appelliert an Impfgegner »Es gibt keine Impfpflicht, aber es sollte eine Impfmoral geben«

Bayerns Ministerpräsident Söder sieht in der großen Zahl Ungeimpfter einen Grund für die vierte Coronawelle – und fordert von ihnen Solidarität. Doch auch den Ampelparteien wirft er Versäumnisse vor.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in München

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in München

Foto: Sven Hoppe / dpa

Die vierte Coronawelle bringt Intensivstationen auch in Bayern an ihre Belastungsgrenze – nun hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seinen Appell erneuert, sich impfen zu lassen. Selbst wenn jemand denke, eine Coronaerkrankung wegstecken zu können, solle er sich impfen lassen, sagte Söder in München – wenn schon nicht zum Selbstschutz, dann, um andere nicht anzustecken. »Es gibt keine Impfpflicht, aber es sollte eine Impfmoral geben«, sagte der CSU-Chef.

Viele Menschen würden die Situation nicht mehr ernst nehmen. Söder fürchtet daher eine »sehr, sehr ernste Lage«. Die Krankenhäuser seien »voll und maximal am Limit«.

In Bayern sind laut Medizinerinnen und Medizinern 90 Prozent der Coronainfizierten auf den Intensivstationen ungeimpft. Den kleinen Rest stellen Geimpfte mit Impfdurchbrüchen, hier vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen.

Impfungen vor Corona schützen zu einem hohen Anteil vor schweren Krankheitsverläufen, können jedoch nicht verhindern, dass man sich dennoch mit dem Virus anstecken kann – vor allem mit der aggressiveren Delta-Variante.

Druck auf Bund-Länder-Runde

Zum besseren Schutz vor Impfdurchbrüchen hofft Söder auf möglichst viele Auffrischungsimpfungen bereits nach fünf Monaten. Man sehe an den Erfahrungen mit den Auffrischungsimpfungen in Israel, »dass Booster Entlastung gebracht haben«, sagte Söder. Bisher sind die Auffrischungen meist erst sechs Monate nach der zweiten Impfung angedacht und nur für Menschen über 70 Jahren empfohlen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hält Booster-Impfungen für alle mittelfristig für sinnvoll, die Gesundheitsminister von Bund und Ländern sind ohnehin dafür.

Donnerstag kommender Woche wollen Bund und Länder über Schritte in der Coronapandemie beraten. Söder fordert einen bundesweiten Beschluss zu einer partiellen Impfpflicht, etwa für Bedienstete im Gesundheitswesen. Er sprach sich außerdem für bundesweite 2G-Regeln aus – also Zugang zu Veranstaltungen oder in Restaurants nur noch für Geimpfte und Genesene, nicht mehr für negativ Getestete. Auch über größere Veranstaltungen, unter anderem zu Karneval, müsse geredet werden. »Schunkeln ohne Maske« könne er sich aktuell nicht vorstellen.

»Dämpfend, aber nicht brechend«

Die Ampelparteien kritisierte Söder für ihr langsames Handeln: »Man kann nicht mit einem Set Sommerreifen durch den Winter fahren«, sagte Söder in Richtung Olaf Scholz. Der SPD-Kanzlerkandidat hatte zuvor im Bundestag gesagt, man sei gerüstet, um »gut durch den Winter zu kommen«. Wenn nun wieder kostenlose Schnelltests eingeführt werden, sei das gut, aber nicht genug. Mit Blick auf die vierte Welle seien die von den Ampelkoalitionären vorgestellten Maßnahmen »dämpfend, aber nicht brechend«, so Söder.

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In Bayern gilt seit Donnerstag wieder der landesweite Katastrophenfall. Damit kann das Innenministerium unter anderem die Arbeit der Behörden in der medizinischen Versorgung landesweit koordinieren. Das erste Mal hatte die Staatsregierung den Katastrophenfall kurz nach Beginn der Pandemie im März 2020 ausgerufen.

In Bayern sind sowohl die Infektions- als auch die Todeszahlen weit überdurchschnittlich. Mit einer Inzidenz von um die 250 Fällen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt der Freistaat hinter Sachsen und Thüringen im Bundesvergleich. Die Impfquote in Bayern ist zugleich vergleichsweise niedrig. Am Mittwoch waren laut Dashboard des Bundes 65,2 Prozent der Bürger vollständig geimpft. Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen haben dagegen Impfquoten von über 70 Prozent.

Das RKI meldete am Donnerstagvormittag 71 neue Coronatote in Bayern – das sind fast ein Drittel der bundesweit berichteten 234 Todesfälle.

mrc
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