Bayerischer Ministerpräsident Söder beklagt »ethische Kapitulation« in Debatte über Corona-Maßnahmen

Bayerns Regierungschef Markus Söder vermisst in der Debatte über die Corona-Beschränkungen den Blick auf die hohe Zahl der Todesopfer. Womöglich müsse mit härteren Maßnahmen ein »Schwung nach unten« erreicht werden.
Bayerns Ministerpräsident Söder: »ethische Kapitulation«

Bayerns Ministerpräsident Söder: »ethische Kapitulation«

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Peter Kneffel / dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat nach den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern bemängelt, dass die hohe tägliche Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie öffentlich zu wenig thematisiert wird.

»Es ist für mich nicht erklärbar, warum in der öffentlichen Debatte das Thema Todesfälle nicht höher bewertet wird«, sagte Söder. Dies sei eine »ethische Kapitulation« in der Corona-Debatte. Hinter jedem Todesfall stecke eine Geschichte – von Menschen, die auch gern mit ihrer Familie Weihnachten gefeiert hätten, sagte Söder.

Am Vorabend hatten Bund und Länder eine Verlängerung der geltenden Corona-Maßnahmen bis zum 10. Januar beschlossen. »Das ist eine sehr lange Zeit«, sagte Söder. Man müsse sich in den nächsten Tagen überlegen, ob es nicht noch konsequentere Maßnahmen brauche, um »einen Schwung nach unten zu erreichen.«

Es sei noch vor Weihnachten nötig, die Infektionszahlen zu senken, um Feierlichkeiten zu ermöglichen, sagte Söder. »Aber Ferien dürfen kein Risiko werden.« Für ihn stehe der Schutz des Lebens und der Gesundheit daher weiter an erster Stelle, sagte der Ministerpräsident.

Auch zu Silvester seien strengere Kontaktbeschränkungen denkbar. »Ich glaube auch, dass wir uns jetzt noch einmal grundlegend in den nächsten Tagen, nächsten zehn Tagen überlegen müssen, ob das allein die Maßnahme ist oder ob es an einigen Stellen noch deutliche Verbesserungen braucht.« Durch den seit November geltenden Teil-Shutdown sei zwar das exponentielle Wachstum gestoppt worden, sagte Söder. Aber das reiche nicht aus.

»Die Gesamtzahlen gehen nicht runter. Ganz im Gegenteil.« In einzelnen Hotspots seien die Zahlen zum Teil sprunghaft angestiegen. »Wenn die Zahlen so bleiben, wird es auch klar sein, dass beispielsweise an Silvester die Zahl der Kontakte auch reduziert werden muss.« Ansonsten werde riskiert, dass alle Erfolge der vergangenen Wochen zunichtegemacht würden.

Passaus Oberbürgermeister will Ausgangsbeschränkungen verlängern lassen

Der Ministerpräsident besuchte am Donnerstag Passau, wo aufgrund besonders hoher Infektionszahlen derzeit strenge Ausgangsbeschränkungen gelten. Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) sagte, auch wenn die Werte nunmehr am dritten Tag in Folge rückläufig seien, seien sie weiter viel zu hoch. »Eine Inzidenz von 458 kann uns nicht ruhen lassen.«

Für eine erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie seien Disziplin, Vertrauen und Geduld der Bevölkerung sehr wichtig. Er wolle daher dafür werben, die seit vergangenem Samstag geltenden Maßnahmen zu verlängern. Unter anderem dürfen die Menschen in Passau ihre Wohnung nur noch aus einem triftigen Grund verlassen. Die Regelung sollte eigentlich am Freitag auslaufen.

Die bundesweiten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus waren zuletzt beständig angestiegen. Nach vom RKI gemeldeten 388 Verstorbenen am Dienstag kamen am Mittwoch 487 und zuletzt 479 Tote hinzu.

Deutschlandweit sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) seit Beginn der Pandemie 17.602 Menschen an oder mit einer Corona-Infektion ums Leben gekommen, mehr als 1,1 Millionen Ansteckungen gab es insgesamt. Am Mittwoch wurden erneut 22.046 Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden gemeldet, der Wert war nur minimal niedriger als in der Vorwoche.

fek/mes/dpa