Coronapandemie Mitglied des Ethikrats schlägt Impfpflicht für Lehrkräfte und Kitapersonal vor

Politiker sprechen von einer Rückkehr zum »normalen« Unterricht, zeitgleich steigen die Infektionszahlen. Humangenetiker Wolfram Henn weist jetzt auf die besondere Verantwortung von Lehrerinnen und Kitapersonal hin.
Lehrerinnen und Lehrer mussten während der Pandemie immer wieder improvisieren. Zum Beispiel unterrichteten sie hinter Plexiglas und mit Masken (Archiv)

Lehrerinnen und Lehrer mussten während der Pandemie immer wieder improvisieren. Zum Beispiel unterrichteten sie hinter Plexiglas und mit Masken (Archiv)

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Arne Dedert / dpa

Gerade starten in vielen Bundesländern die Sommerferien. Doch wie geht es danach in den Schulen und Kindergärten weiter: Präsenzpflicht, Wechselunterricht, Homeschooling, regelmäßige Tests? Schließlich ist noch unklar, wie sich die Coronapandemie über den Sommer entwickelt.

Der Humangenetiker Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat hat nun eine Corona-Impfpflicht für Beschäftigte in Schulen und Kitas gefordert: »Wer sich aus freier Berufswahl in eine Gruppe vulnerabler Personen hineinbegibt, trägt eben besondere berufsbezogene Verantwortung«, sagte Henn der »Rheinischen Post«. »Wir brauchen eine Impfpflicht für das Personal in Kitas und Schulen.« Lehrkräfte, Erzieher und Erzieherinnen sollten vor allem Kinder unter zwölf Jahren schützen, die keine Impfung bekommen könnten.

Zwar hätten Kinder selbst ein geringes Risiko, schwer an Covid zu erkranken, man müsse aber weiter damit rechnen, »dass sie das Virus in ihre Familien tragen und Menschen aus Risikogruppen infizieren«, sagte der Humangenetiker. Als Beispiel nannte er der Zeitung zufolge etwa Krebspatienten in Familien, die aufgrund akuter Therapien noch gar nicht geimpft werden konnten. Diese Gruppe gelte es jetzt durch eine Impfpflicht bestimmter Berufsgruppen zu schützen. Eine allgemeine Impfpflicht lehnte Henn aber ab.

Vergangene Woche hatte die Virologin Melanie Brinkmann einen anderen Vorschlag gemacht und flächendeckende PCR-Tests gefordert. Ohne neues Testkonzept könne es im nächsten Schuljahr keinen sicheren Unterricht geben, sagte die Professorin vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sie plädiert für den vermehrten Einsatz sogenannter Lollitests oder Gurgeltests – anstelle der weniger präzisen Antigen-Schnelltests.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) plädierte zuletzt für eine flächendeckende Rückkehr zum Präsenzunterricht. »Die Fortschritte bei der Impfkampagne stimmen mich optimistisch, dass normaler Schulunterricht möglich sein wird«, sagte Scholz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Nach anderthalb Jahren sei es höchste Zeit, wieder in einen normalen Schulalltag zurückzukehren. Der Finanzminister erklärte weiter, dass Masken und konsequentes Testen als Vorsichtsmaßnahme aber weiter eine Rolle spielen würden.

Noch keine generelle Impfempfehlung für Jugendliche

In Deutschland flammte zuletzt erneut eine Diskussion über die Impfung von Kindern und Jugendlichen auf, insbesondere mit Blick auf die Rückkehr in die Schulen nach den Sommerferien. Zwar gibt es in der EU mit der Vakzine von Biontech/Pfizer einen Impfstoff, der für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen ist, die Ständige Impfkommission sprach bisher aber keine generelle Impfempfehlung für Jugendliche aus.

Das unabhängige Gremium verweist vor allem auf den fehlenden medizinischen Nutzen, da für junge Menschen nur ein sehr geringes Gesundheitsrisiko bestehe. Lediglich für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen empfiehlt die Kommission eine Impfung.

lau/dpa/AFP
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