Corona-Mutation in Großbritannien Flugpassagiere aus London an Flughäfen gestoppt

Wegen der mutierten Virusvariante in Großbritannien sind Landungen in Deutschland seit Mitternacht untersagt. Wer am Abend noch anreiste, musste lange warten – oder sogar die Nacht am Terminal verbringen.
Einsatzfahrzeuge auf dem Gelände des Flughafens in Hannover: 63 Passagiere müssen über Nacht auf ihr Testergebnis warten

Einsatzfahrzeuge auf dem Gelände des Flughafens in Hannover: 63 Passagiere müssen über Nacht auf ihr Testergebnis warten

Foto: Moritz Frankenberg / dpa

Aus Sorge vor der in Großbritannien aufgetretenen neuen Variante des Coronavirus hat Deutschland den Flugverkehr aus dem Vereinigten Königreich gestoppt. Einige Reisende sind daraufhin am Sonntagabend am Flughafen aufgehalten worden.  

In Hannover hatten am Abend 63 Passagiere eines Flugs aus London ausgeharrt. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte, eine Frau wolle nach London zurückfliegen, alle anderen müssten sich einem sogenannten PCR-Test unterziehen. Einer von ihnen wurde daraufhin positiv auf Covid-19 getestet. Weitere Labortests sollten nun klären, ob der Passagier sich mit der neuen, besonders ansteckenden Variante des Coronavirus infiziert habe. Der betroffene Fluggast und die Begleitpersonen werden nun in einem Quarantäne-Transport zu ihrem Zielort gebracht. Auch am Frankfurter Flughafen wurde ein Fluggast positiv getestet.

Am Montagvormittag warteten noch 70 Reisende auf ihre Testergebnisse, insgesamt 87 waren nach Angaben der Bundespolizei noch ungetestet, unter ihnen 58 Passagiere eines Lufthansa -Fluges aus Südafrika.

Bis zum Vorliegen des Testergebnisses müssten die Menschen auf dem Flughafengelände bleiben, sagte eine Sprecherin der Region Hannover. Sie rechne damit, dass die Ergebnisse am Montag vorliegen, das stehe aber nicht fest.

Nach Angaben des Flughafens Hannover wurden im Terminal D Feldbetten aufgebaut, die Passagiere werden dort auch verpflegt. »Unser Ziel ist, zu verhindern, dass die neue Virusart unbemerkt nach Niedersachsen einzieht«, sagte Andreas Kranz, Leiter des Fachbereichs Öffentliches Gesundheitswesen der Region Hannover. Die Reisenden zeigten »ziemlich viel Verständnis für die Maßnahmen«, sagte er.

Sollte das Testergebnis negativ ausfallen, bedeutet das für die betreffenden Passagiere eine zehntägige Quarantäne am Zielort – nach fünf Tagen und einem erneuten negativen Testergebnis kann die Quarantäne vorzeitig enden. Bestätigt sich eine Infektion, bei der unklar ist, ob es sich um die neue Virusvariante handelt, kommen die Betroffenen in ein besonderes Quarantänehotel, wie Kranz sagte.

Hinweis auf Quarantäneregelungen in Stuttgart

In Stuttgart wurden am Abend gelandete Flugreisende aus London in Kleingruppen ins Corona-Testzentrum des Flughafens gebracht und dort getestet, wie ein Sprecher sagte. Anschließend hätten sie – sofern das Ergebnis negativ war – ihr Gepäck holen und nach Hause fahren dürfen, sie müssten sich dort aber in Quarantäne begeben. Um wie viele Passagiere es sich handelte, war nicht bekannt.

Die Bundespolizei teilte in Stuttgart allgemein mit, dass den am Sonntag noch Gelandeten ein Corona-Test angeboten werde und sie auf die bestehenden bekannten Quarantäneregelungen der Bundesländer hingewiesen würden. »Wir wissen um die daraus entstehenden Unannehmlichkeiten für die Reisenden, gerade jetzt im Weihnachtsverkehr«, hieß es. »Alle Partner arbeiten mit Hochdruck daran, eine sichere Einreise zu gewährleisten, gleichzeitig aber auch die Passagiere nicht über Gebühr zu beanspruchen.«

Der Berliner Korrespondent der englischen Wochenzeitung »The Economist«, Tom Nuttall, war offensichtlich ebenfalls an Bord einer Maschine aus Großbritannien in Berlin gelandet und berichtete auf Twitter Ähnliches. Die Polizei habe den Passagieren mitgeteilt, dass sie getestet würden: Wer ein negatives Ergebnis habe, werde nicht zurückgeschickt.

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Variante soll 70 Prozent ansteckender sein

Nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler ist die kürzlich in Südostengland entdeckte Corona-Variante um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form. Das Bundesinnenministerium hatte deswegen die Bundespolizei am Sonntag angewiesen, Reisende aus Großbritannien und Südafrika ab sofort systematisch zu kontrollieren. Dies gelte mit Blick auf die korrekte Registrierung in der digitalen Einreiseanmeldung, hatte ein Ministeriumssprecher in Berlin mitgeteilt. Erforderliche Infektionsschutzmaßnahmen seien eng mit den örtlich zuständigen Gesundheitsämtern abzustimmen. Reisende müssten sich auf längere Wartezeiten an den Grenzen einstellen.

Nur wenig später untersagte Deutschland Flüge von Großbritannien nach Deutschland ab Montag, null Uhr, komplett. Das Bundesverkehrsministerium erließ eine entsprechende Verfügung. Ausgenommen sind reine Frachtflüge, Flüge mit medizinischem Personal oder nur mit Crews an Bord, die nach Deutschland zurückkehren wollen. Dies diene dem Schutz der Bevölkerung in Deutschland und der »Limitierung des Eintrages und der schnellen Verbreitung der neuen Virusvarianten«, hieß es. Das Verbot gilt zunächst bis 31. Dezember.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte für diesen Montag eine zusätzliche Verordnung an, die den gesamten Reiseverkehr mit Großbritannien einschränkt und auch mit dem ebenfalls von der Virusvariante betroffenen Südafrika.

cop/dpa
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