Nach den Sommerferien Präsenzunterricht ja, aber Impffortschritt ungewiss

Vizekanzler Scholz glaubt, das neue Schuljahr starte wieder »normal«, Jens Spahn wirbt um impfwillige Jugendliche. Doch Schülervertreter warnen: Die Politik sei auf das Ende der Ferien kaum vorbereitet.
Eine Lehrerin in Schleswig-Holstein begrüßt Viertklässler bei der Rückkehr an die Grundschule (Foto vom Mai 2020)

Eine Lehrerin in Schleswig-Holstein begrüßt Viertklässler bei der Rückkehr an die Grundschule (Foto vom Mai 2020)

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Carsten Rehder/ dpa

Deutschland steckt in den Sommerferien. Doch angesichts der sich weltweit verbreitenden Delta-Variante des Coronavirus wächst auch hierzulande die Sorge über die Zeit nach der Urlaubssaison. Im Umgang mit Schülerinnen und Schülern plädiert Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) für eine flächendeckende Rückkehr zum Präsenzunterricht, Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnt eine hohe Impfbeteiligung von Jugendlichen an.

»Die Fortschritte bei der Impfkampagne stimmen mich optimistisch, dass normaler Schulunterricht möglich sein wird«, sagte Scholz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Nach anderthalb Jahren sei es höchste Zeit, wieder in einen normalen Schulalltag zurückzukehren. Der Finanzminister erklärte weiter, dass Masken und konsequentes Testen als Vorsichtsmaßnahme aber weiter eine Rolle spielen würden.

Auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) plädiert für die Beibehaltung der Maskenpflicht. »Auch eine Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Weitergabe des Virus, wie sich zuletzt an der Ausbreitung der Delta-Variante in einigen Ländern gezeigt hat«, sagte Lambrecht den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Vorsichtsmaßnahmen wie das Tragen einer Maske in Innenräumen seien daher vorerst auch für geimpfte Personen sinnvoll.

»Teamspiel« bei den Impfungen

In Deutschland flammte zuletzt erneut eine Diskussion über die Impfung von Kindern und Jugendlichen auf, insbesondere mit Blick auf die Rückkehr in die Schulen nach den Sommerferien. Zwar gibt es in der EU mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer einen Impfstoff, der für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen ist, die Ständige Impfkommission sprach bisher aber keine generelle Impfempfehlung für Jugendliche aus.

Das unabhängige Gremium verweist vor allem auf den fehlenden medizinischen Nutzen, da für junge Menschen nur ein sehr geringes Gesundheitsrisiko bestehe. Lediglich für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen empfiehlt die Kommission eine Impfung.

Aus der Politik wurde vor dem Hintergrund der sich immer stärker ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus zuletzt aber die Forderung laut, die Festlegung zu überdenken und eine allgemeine Empfehlung für Jugendliche auszusprechen.

Gesundheitsminister Spahn sagte im »Morgenmagazin« der ARD, es sei bereits klar, dass es in nicht geimpften Bevölkerungsgruppen ab Herbst viele Infektionen geben werde. Eine hohe Impfquote sei daher »wichtig«. Es müsse ein Bewusstsein dafür herrschen, dass der Kampf gegen die Pandemie am Ende ein »Teamspiel« sei.

»Impfungen sind ein Schlüsselfaktor für sicheren Unterricht«

Bei den Älteren gebe es laut Spahn eine hohe Bereitschaft, bei den über 60-Jährigen werde eine Impfquote von 90 Prozent bald erreicht. Bei den Zwölf- bis 59-Jährigen müsse dagegen noch geworben werden, um eine Quote von 85 Prozent zu erreichen.

Spahn bekräftigte sein Versprechen, dass alle Kinder und Jugendliche bis Ende August einen ersten Termin erhalten könnten. Druck aufbauen wolle er aber nicht: »Ich finde, wir sollten die Kinder und Jugendlichen selbst entscheiden lassen.« Wer wolle, könne geimpft werden.

Bundesschülerkonferenz fordert frühere Impfangebote

Den Schülervertreterinnen und Schülervertretern genügen die Versprechen der Politik jedoch nicht. Mit Hamburg, Berlin und Brandenburg kehren die ersten Länder bereits Anfang August aus den Sommerferien zurück – Spahns Frist wäre zu spät angesetzt.

»Gerade wenn es um den Schulstart nach den Ferien geht, sind Impfungen ein Schlüsselfaktor für sicheren Unterricht«, sagte der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, dem RND. »Für mich ist klar: Jeder Schüler ab 12 Jahren muss in den Sommerferien ein Impfangebot bekommen.«

Bestenfalls müsste die Erstimpfung zu Anfang der Ferien erfolgen, damit zum Schulstart die zweite Impfung ebenfalls erfolgen kann, sagte Schramm weiter. Junge Menschen hätten es aber immer noch schwer, einen Impftermin zu bekommen. Bildungs- und Gesundheitsministerien »müssen jetzt schleunigst zusammenkommen und entsprechende Schritte einleiten«.

mrc/AFP/Reuters
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