Coronapolitik Gesundheitsminister ohne neue Beschlüsse zu Masken und Isolation

Wie weiter mit der Maskenpflicht? Die Gesundheitsminister der Länder können sich nicht auf eine einheitliche Linie einigen. Experten appellieren an die Bevölkerung, wegen des RS-Virus auf den Schutz von Kindern zu achten.
Gesundheitsminister Lauterbach

Gesundheitsminister Lauterbach

Foto: Michael Kappeler / dpa

Die Gesundheitsminister und -ministerinnen der Länder haben vorerst keine neue Linie für Änderungen an den Coronaschutzvorgaben beschlossen. Die Ressortchefs hätten sich ausgetauscht, aber es gebe kein einheitliches Vorgehen etwa zur Maskenpflicht in Bus und Bahn, sagte eine Sprecherin des sachsen-anhaltischen Sozialministeriums am Abend nach den Beratungen. Die meisten Länder wollten die Maskenpflicht im ÖPNV bis Jahresende verlängern, einige darüber hinaus. Zum Teil solle aus der Pflicht eine Empfehlung werden. Sachsen-Anhalt hat in diesem Jahr den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz  inne.

In der Beratung hätten sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, für die Beibehaltung der Isolationsregeln und der Maskenpflicht ausgesprochen, sagte die Sprecherin weiter. Sie erwarteten eine steigende Zahl von Neuinfektionen und hätten auf die hohe Sterblichkeit vor allem bei älteren Menschen hingewiesen. Das RKI sehe keinen Grund, die bisherigen Empfehlungen zur Isolation zu ändern.

Inzwischen haben Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Hessen und Rheinland-Pfalz die Isolationspflicht von mindestens fünf Tagen für positiv Getestete aufgehoben, die das RKI nach wie vor empfiehlt.

Auch zum weiteren Vorgehen bei der Maskenpflicht in Bussen und Bahnen des Nahverkehrs wurde den Angaben zufolge keine einheitliche Linie beschlossen. Schon die Verkehrsminister der Länder hatten dazu kürzlich keine gemeinsame Position gefunden. Einige wollten die Pflicht zum 1. Januar abschaffen, andere erst nach dem Winter. Für Fernzüge ist die Maskenpflicht bis 7. April 2023 bundesweit gesetzlich festgeschrieben.

Unterdessen hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte angesichts der Notlage in der Kindermedizin wegen einer Welle an Atemwegsinfekten vor gravierenden Risiken gewarnt. »Es ist tatsächlich so, dass im Moment die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und auch das Leben ordentlich gefährdet sind«, sagte Verbandssprecher Jakob Maske im Deutschlandfunk.

Appell: Kinderärzte entlasten

Um Infektionen einzudämmen, riefen Gesundheitspolitiker dazu auf, aus Solidarität bei Bedarf auch Maske zu tragen, so etwa der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann. Er sagte der »Welt« (Montag) zur Infektionswelle bei Kindern: »Akut können wir das machen, was wir während der Pandemie gut eingeübt haben: Infektionen vermeiden und Infektionsketten unterbrechen.« Dazu brauche es keine staatlichen Verordnungen. »Maske tragen, Hände waschen, bei Infektionen zu Hause bleiben.« Um Kinderärzte zu entlasten, sollte man auch auf unnötige Vorgaben wie »Gesundschreibungen« von Kindern verzichten, die viele Kitas einfordern.

SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt sagte der Zeitung, auch hier schützten Basis-Hygienemaßnahmen. »Alle sollten jetzt besonders mit den Kindern solidarisch sein.«

Viele Kinderpraxen und Kinderstationen sind aktuell extrem überfüllt. Experten berichten von einer enormen Welle an Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), das für Babys gefährlich sein kann.

dam/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.