Große Koalition in der Pandemie Vertrauen in Corona-Kompetenz der Regierung sinkt deutlich

Stimmungsumschwung in Deutschland: Eine Mehrheit traut der Bundesregierung die Bewältigung der Coronakrise nicht mehr zu. Die Union kommt der SPIEGEL-Umfrage zufolge noch besser weg als die SPD.
Ein Mann geht durch die Flensburger Fußgängerzone, in der Stadt gibt es derzeit wegen der grassierenden britischen Coronavirus-Mutante eine nächtliche Ausgangssperre

Ein Mann geht durch die Flensburger Fußgängerzone, in der Stadt gibt es derzeit wegen der grassierenden britischen Coronavirus-Mutante eine nächtliche Ausgangssperre

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Chris Emil Janssen / imago images

Krisen gelten gemeinhin als die Stunde der Exekutive. So konnten die Kanzlerin und ihre Regierung im Pandemieverlauf auf stetig hohe Zustimmungswerte setzen. Nun aber scheint der Stimmungswandel eingetreten, das Vertrauen der Deutschen in die Corona-Kompetenz der Großen Koalition bröckelt.

Die verfehlte Impfstoff-Einkaufspolitik der EU-Kommission, der wochenlange aber dennoch inkonsequente Shutdown, die lückenhafte Schnelltest-Strategie, die Rückständigkeit deutscher Schulen und Kitas im Kampf gegen das Virus – es ist viel zusammengekommen in den vergangenen Wochen.

Immer skeptischer beurteilen Bürgerinnen und Bürger dementsprechend die Kompetenz der Regierungsparteien CDU, SPD und CSU. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL.

Rund 45 Prozent haben geringes oder gar kein Vertrauen, dass Union und SPD die Herausforderungen der Pandemie bewältigen. Sehr groß oder eher groß ist das Vertrauen in die Koalition nur noch bei nicht einmal 40 Prozent der Deutschen.

Am 10. Februar hatte Angela Merkel mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten beschlossen, den Shutdown bis in den März hinein zu verlängern. Schon vorher sank das Vertrauen der Bürger in die Corona-Kompetenz der Regierung. Anfang Februar hatte erstmals eine Mehrheit kein großes Vertrauen mehr in die Arbeit der Koalition.

Das Zutrauen in CDU und CSU ist dabei aber deutlich größer als das in die SPD. Rund 43 Prozent gaben an, dass sie der Union bei der Bekämpfung der Pandemie eindeutig oder eher vertrauen als den Sozialdemokraten. Der Partei von Kanzlerkandidat Olaf Scholz sprachen nur rund 21 Prozent ihr Vertrauen eher oder eindeutig aus.

Am Mittwoch kommender Woche will Merkel erneut mit den Länderchefs über den weiteren Kurs beraten. Von diesem Dienstag an soll als Vorbereitung dieses Termins eine Arbeitsgruppe mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) und den Chefs der Staatskanzleien der Länder zum Thema Öffnungen tagen. Ziel ist es, dann Pläne für mögliche Öffnungsschritte zu präsentieren – trotz der massiven Ausbreitung der britischen Mutante.

Die Zahl der Neuinfektionen hat zuletzt wieder zugenommen. So stieg an diesem Montag die Sieben-Tage-Inzidenz von 60,2 auf 61 Infektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche. Eigentlich streben Kanzlerin und Ministerpräsidenten einen Inzidenzwert von 35 an, um weitere Öffnungsschritte zu gehen. Dieser Wert scheint nun in weite Ferne zu rücken.

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