Umfrage Mehrheit der Deutschen hat kein Verständnis für Corona-Proteste

Auch am Wochenende dürften wieder Tausende gegen die Corona-Regeln demonstrieren. Eine Umfrage zeigt: Nur ein Viertel der Deutschen kann die Proteste nachvollziehen.
Proteste gegen Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus in Stuttgart

Proteste gegen Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus in Stuttgart

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Sebastian Gollnow/ dpa

Eigentlich stehen die Zeichen längst auf Entspannung: Die Corona-Beschränkungen werden nach und nach gelockert, für Besuche in Altenheimen, Treffen zwischen Personen verschiedener Haushalte und für den Sport gelten teilweise mildere Regeln. In manchen Ländern sind sogar größere Versammlungen wieder erlaubt.

Trotz der Aussicht auf weitere Lockerungen protestierten am vergangenen Wochenende Tausende gegen die geltenden Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Schwerpunkte waren Stuttgart, Berlin, München und Frankfurt. In Berlin wurden Dutzende festgenommen, weil sie Abstandsregeln nicht eingehalten hatten. Auch für kommenden Samstag und Sonntag wird in zahlreichen Städten wieder zu Protesten gegen die Corona-Regeln aufgerufen.

Die Demonstranten werfen der Politik und Medizinern vor, Panikmache zu betreiben und die Grundrechte der Bevölkerung grundlos zu beschneiden. Unter den Teilnehmern sind vielerorts auch Verschwörungstheoretiker, Rechtspopulisten, Extremisten und Impfgegner

Fast drei Viertel haben kein Verständnis für die Proteste

Die breite Mehrheit der Deutschen - mehr als 70 Prozent - hat allerdings kein Verständnis für die Proteste, ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey. Rund 55 Prozent gaben demnach an, "auf keinen Fall" Verständnis zu haben, rund 16 Prozent "eher" nicht.

Rund ein Viertel der Deutschen blickt dagegen verständnisvoll auf die Demonstrationen. Auch hier überwiegt die härtere Einschätzung: Mehr als 17 Prozent können die Kundgebungen "auf jeden Fall" nachvollziehen, rund sieben Prozent haben "eher" Verständnis.

Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den potenziellen Wählern der verschiedenen Parteien. Besonders viele Wähler der AfD, rund 77 Prozent, zeigen Verständnis für diejenigen, die ihren Unmut auf der Straße kundtun. Aber auch in der Gruppe der FDP-Anhänger findet mit fast 53 Prozent eine Mehrheit die Proteste in Ordnung. Überdurchschnittlich groß ist das Verständnis auch unter den Linken-Sympathisanten ausgeprägt.

Die Wähler von Union, SPD und Grünen hingegen zeigen kaum Verständnis - und nehmen andererseits die Bundeskanzlerin als souveräne Krisenmanagerin wahr. Insgesamt beurteilten fast zwei Drittel der Deutschen Angela Merkels Führungsleistung während der Coronakrise als "eindeutig" oder "eher" souverän.

Unter den Wählerinnen und Wählern von CDU und CSU liegt diese Einschätzung bei rund 84 Prozent, weitere neun Prozent beurteilen die Leistung der Kanzlerin als "teils" souverän. Unter den Grünen-Wählern stufen 77 Prozent, unter denen der SPD rund 71 Prozent Merkels Krisenmanagement als "souverän" ein.

Bei den Parteianhängern, die mehr Verständnis für die Proteste haben, kommt Merkels Auftreten hingegen nicht an. Unter potenziellen AfD-Wählern beurteilen lediglich fast neun Prozent die Kanzlerin als "souverän", 81 Prozent hingegen als "nicht souverän". Bei den FDP-Sympathisanten ist die Einschätzung ausgeglichener. Mit mehr als 56 Prozent beurteilt sogar eine Mehrheit der Linken-Anhänger die Kanzlerin als "souverän".

ire