Nach sinkender Inzidenz Hamburg hebt Ausgangssperre auf – und öffnet Kindergärten wieder

In Hamburg gilt seit fünf Wochen eine nächtliche Ausgangssperre, noch bevor diese Bundesgesetz wurde. Nun will der Senat die Regelung beenden, auch bei den Kitas wird gelockert – allerdings unter einer festen Bedingung.
Eine weggeworfene Mund-Nasen-Maske vor dem Hamburger Rathaus

Eine weggeworfene Mund-Nasen-Maske vor dem Hamburger Rathaus

Foto: HANNO BODE / imago images/Hanno Bode

Die Hansestadt Hamburg will mehrere seiner strengen Coronamaßnahmen lockern – darunter die seit fünf Wochen geltende nächtliche Ausgangssperre aufheben. Das sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach einer Sondersitzung des Senats. Voraussetzung sei, dass die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen mindestens fünf Werktage stabil unter 100 bleibe. Am Freitag lag die Inzidenz den dritten Tag in Folge unter 100.

Die Ausgangssperre gilt gegenwärtig von 21 Uhr bis 5 Uhr morgens – und wurde schon Ende März verhängt. Sie ist damit strenger als die ab 22 Uhr geltende, später eingeführte Ausgangssperre der Bundesnotbremse.

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Darüber hinaus sollen die Kindergärten am 17. Mai vom erweiterten Notbetrieb wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb wechseln. Damit ist dann in jedem Fall eine Betreuung von 20 Stunden an mindestens drei Tagen gewährleistet. Bisher sind die Kitas grundsätzlich geschlossen; Kinder werden nur im Notfall betreut. Außerdem sollen Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen vom 17. Mai an im Wechselunterricht in die Schule dürfen. Auch für die Kita- und Schulregeln gilt die gleiche Fünf-Tage-Stufe zur Inzidenz wie für die Aufhebung der Ausgangssperren.

Hamburg plant vier Öffnungsstufen

Nach diesen ersten Lockerungen stellt der Hamburger Senat auch weitere Öffnungsstufen in Aussicht:

  • Geimpfte und Genesene werden Getesteten gleichgestellt – sie müssen sich also zum Beispiel vor einem Friseurbesuch keinen aktuellen Schnelltest besorgen. Damit setzt Hamburg die neue bundesweit geltende Verordnung um.

  • Ab Mittwoch kommender Woche soll unter anderem wieder Sport im Freien für bis zu zehn Kinder möglich sein, auch die Maskenpflicht für Erwachsene auf Spielplätzen entfällt.

  • Ab 17. Mai können Museen, Gedenkstätten, Bibliotheken und Ausstellungshäuser öffnen, verbunden mit Hygienevorgaben und Personenzahlbegrenzung.

In einer nächsten Stufe, die frühestens zehn bis 14 Tage nach dem ersten Schritt vorgenommen wird, soll unter anderem der Einzelhandel wieder öffnen dürfen. Die Kontaktbeschränkung wird erweitert auf fünf Personen aus zwei Haushalten, Kultur- und Sportevents unter freiem Himmel dürfen wieder stattfinden.

Weitere zwei Wochen später, wenn es die Inzidenzen zulassen, soll ein dritter Schritt folgen: Dann dürfen Außengastronomie, Sport, Theater, Schule, Hochschule, Kitas, soziale Einrichtungen öffnen. Die komplette Gastronomie, Hotels und touristische Angebote folgen in einem späteren vierten Schritt.

Strengerer Coronakurs

Hamburg agiert seit Wochen deutlich strenger als andere Bundesländer. Als erstes Bundesland hatte es Mitte März eine Notbremse beschlossen, nachdem die Inzidenzzahlen über 100 gestiegen waren. Das war auf einer Bund-Länder-Runde Anfang März zwar beschlossen worden, viele Länder hatten sich aber nicht daran gehalten. Später justierte das Kanzleramt nach und machte mit der sogenannten Bundesnotbremse schärfere Coronamaßnahmen zur Pflicht für Landkreise ab einer Inzidenz von 100.

Nun sagt Bürgermeister Tschentscher, der konsequente Kurs habe sich bewährt – die dritte Coronawelle sei gebrochen. Er dankte der Bevölkerung für ihre Disziplin bei der Beachtung der verhängten Coronamaßnahmen.

mrc
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