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Ende des Corona-Einbruchs Migration in die EU nimmt wieder zu

In der Pandemie sind weniger Flüchtlinge nach Europa gekommen. Nun aber steigt die Zahl der Asylanträge in der EU nach SPIEGEL-Informationen wieder deutlich an.
Von Markus Becker, Brüssel
aus DER SPIEGEL 34/2020
Migranten aus Afrika vor der griechischen Küste: Der Corona-Rückgang geht zu Ende

Migranten aus Afrika vor der griechischen Küste: Der Corona-Rückgang geht zu Ende

Foto: Angelos Tzortzinis/ dpa

Der Corona-bedingte Rückgang der Einwanderung in die Europäische Union scheint beendet zu sein. Die EU-Agentur für Asylfragen EASO verzeichnete im Juni 28.039 Erstanträge auf Asyl in der EU, der Schweiz und Norwegen – mehr als dreimal so viele wie im Mai.

Einen ähnlichen Trend registriert das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Demnach kamen im Juli 10.517 Menschen über die Mittelmeer-Routen nach Europa, über Südosteuropa waren es im Juni 9534. Beides entspricht ebenfalls fast einer Verdreifachung gegenüber den Vormonaten.

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex hat nach SPIEGEL-Informationen im Juli 8650 illegale Grenzübertritte erfasst, rund ein Drittel mehr als noch im Juni. Auf der zentralen Mittelmeer-Route habe sich die Zahl der Ankömmlinge sogar auf 5150 verdoppelt, vor allem wegen einer hohen Zahl illegaler Migranten aus Tunesien.

Die EASO führt den Wiederanstieg der Asylanträge vor allem auf die Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen in den EU-Staaten zurück. Sie hatten zuvor den starken Rückgang der Zuwanderung mit ausgelöst.

Zahlen immer noch relativ niedrig

Die Zahlen liegen deshalb trotz des aktuellen Anstiegs noch immer auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Laut EASO gab es seit Jahresanfang insgesamt 212.100 Asylanträge, 37 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher fällt der Unterschied im Vergleich zum Höhepunkt der Flüchtlings- und Migrationskrise aus. So sind von Januar bis August 2015 laut UNHCR allein über die Mittelmeerrouten fast 365.000 Menschen nach Europa gekommen. In diesem Jahr waren es bisher nur rund 40.000 .

DER SPIEGEL 34/2020

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Es sei "verrückt", dass es der EU trotzdem nicht gelinge, sich über Verteilung und Rückführung von Migranten sowie eine gemeinsame Flüchtlingspolitik zu einigen, kritisierte der Politikberater Gerald Knaus, Chef des Thinktanks Europäische Stabilitätsinitiative. "Dabei war es noch nie so leicht wie jetzt."

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wollte ihre Vorschläge für eine umfassende Asylreform schon längst vorgelegt haben, was bisher aber vor allem an Vorbehalten diverser Mitgliedsländer gescheitert ist.

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