Corona-Shutdown »Eine klare Konsequenz des christlichen Gebots zur Nächstenliebe«

Bund und Länder wollen das Leben von Mittwoch an weitgehend stillstehen lassen. Die Unterstützung aus Politik und Gesellschaft ist groß. Auch die Kirchen arbeiten an Onlineangeboten für Weihnachten.
Weihnachtsgottesdienst im Hamburger Michel (Archivbild)

Weihnachtsgottesdienst im Hamburger Michel (Archivbild)

Foto: Malte Christians / dpa

Der Beschluss von Bundesregierung und Länderchefs für einen harten Shutdown stößt in Politik und Gesellschaft auf breite Zustimmung. Von Mittwoch an wird das öffentliche Leben stark heruntergefahren. Geschäfte müssen schließen, sofern sie nicht Dinge des täglichen Bedarfs verkaufen. Die Kontaktbeschränkungen werden noch einmal verschärft. In der Öffentlichkeit gilt ein Alkoholverbot, Silvesterfeuerwerk darf nicht verkauft werden (lesen Sie hier einen Überblick).

Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, nannte es »gut, dass nicht weiter gezögert worden ist«. Die angekündigten Maßnahmen seien »ein harter Einschnitt für viele« – das Land sei aber in einer »dramatischen Lage«.

SPD-Chef kritisiert Bürger

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans sah in dem Beschluss ein »wichtiges Signal, dass die Politik in einer besorgniserregenden Situation handlungsfähig ist«, wie er dem Nachrichtenportal »T-Online« sagte. Zugleich kritisierte er das Verhalten der Bürger. Die bisherigen Maßnahmen hätten auch deswegen nicht gereicht, »weil verantwortliches Verhalten ohne Verbote vor allem im privaten Bereich an viel zu vielen Stellen immer noch ein Fremdwort ist«.

FDP-Chef Christian Lindner sprach von einer »Notbremse« der Regierenden, die »angesichts der Entwicklung in der Pandemie nachvollziehbar« sei. Er mahnte eine dauerhafte Corona-Strategie an. »Unsere Sorge ist, dass wir uns sonst von einem Lockdown zum nächsten hangeln.« Die FDP sei zur Mitwirkung bereit.

Jörg Radek, Chef der Gewerkschaft der Polizei, lobte die »klaren Maßnahmen«. Sie erleichterten die Arbeit der Polizei. Ein Alkoholverbot reduziere die Wahrscheinlichkeit von Ansammlungen in der Öffentlichkeit. Das Verkaufsverbot für Pyrotechnik entspanne die Situation zum Jahreswechsel.

Evangelische Kirche setzt auf Onlineangebote

Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, bezeichnete die geplanten Regeln für Gemeinden als »sehr vernünftig«. Der Bund-Länder-Beschluss sieht neben Maskenpflicht und Abstandsgebot auch ein Gesangsverbot für die Gemeinden vor. Wenn, wie an Weihnachten, besonders viele Besucher erwartet werden, müssen zudem Anmeldelisten geführt werden.

Sternberg sagte, die Gläubigen könnten auch zu Hause singen und beten oder Kirchen außerhalb der Gottesdienstzeiten besuchen, um etwa die Weihnachtskrippe zu sehen. »Ich bin sicher, dass besonders Gefährdete ohnehin nicht zum Gottesdienst gehen werden.«

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz rief zu äußerster Vorsicht und zur Einhaltung der Corona-Regeln auf. »Verantwortung und Augenmaß sind das Gebot der Stunde«, sagte er. Eine Sprecherin der Evangelischen Kirche Deutschlands sagte: »Dass wir bei unseren Gottesdiensten alles tun wollen, um Gefährdungen der Gesundheit auszuschließen, ist für uns selbstverständlich und eine klare Konsequenz des christlichen Gebots zur Nächstenliebe.«

Die Evangelische Kirche will an Weihnachten verstärkt auf Onlineangebote setzen. »Zusätzlich zu den Gottesdiensten, die unter strengen Schutzkonzepten stattfinden, werden wir über Onlineformate und Fernsehgottesdienste wie schon an Ostern viele Millionen Menschen erreichen«, so die Sprecherin.

sms/dpa/AFP
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