Corona-Vakzine Stiko-Chef zeigt Verständnis für Skepsis gegenüber Kinderimpfung

Die europäische Arzneimittelbehörde will an diesem Donnerstag über die Zulassung der Biontech-Vakzine für Kinder ab fünf Jahren entscheiden, das Gesundheitsministerium lagert bereits Dosen. Doch Stiko-Chef Mertens bremst die Erwartung.
In Kanada – wie hier in Toronto – werden seit Donnerstag auch Fünf bis Elfjährige gegen das Coronavirus geimpft. In Deutschland steht die Entscheidung noch aus

In Kanada – wie hier in Toronto – werden seit Donnerstag auch Fünf bis Elfjährige gegen das Coronavirus geimpft. In Deutschland steht die Entscheidung noch aus

Foto: Steve Russell / imago images/ZUMA Press

Die Politik drängt die Ständige Impfkommission (Stiko) immer wieder, in ihren Empfehlungen schneller zu werden. Zuletzt stellte der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Impfung für Kinder ab fünf Jahren wohl für kurz vor Weihnachten in Aussicht.

Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission

Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission

Foto: Stefan Boness / IPON / imago images

Nun bremst der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens die Erwartungen. Er könne nachvollziehen, wenn Eltern einer Impfung ihrer Kinder skeptisch gegenüberstehen. »Das kann ich sehr gut verstehen, und es entspricht im Grunde auch dem Problem, vor dem die Stiko mit ihrer Empfehlung steht – nämlich dem Abwägen von Nutzen und möglichen ›Restrisiken‹ bei den Kindern in dieser Altersgruppe«, sagte Mertens der »Schwäbischen Zeitung« zur Impfung von Kindern von fünf bis elf Jahren.

In einer Zulassungsstudie der Firma Biontech /Pfizer seien keine schwerwiegenden Impfreaktionen oder Nebenwirkungen dokumentiert worden, sagte Mertens. Die Wirksamkeit des Impfstoffs entspreche bei den Kindern nach einer relativ kurzen Beobachtungszeit zudem etwa der bei den Erwachsenen. Zahlen aus den aktuellen Studien reichten aber nicht aus, um seltene Nebenwirkungen auszuschließen. Man müsse die Ergebnisse früherer Studien und Anwendungsdaten einbeziehen. Man bereite die Entscheidung über eine Empfehlung vor, sagte Mertens.

Zulassung durch Ema erwartet

In der EU ist man einen Schritt weiter: Die europäische Arzneimittelbehörde Ema will an diesem Donnerstag über die Zulassung des Coronaimpfstoffes der Hersteller Pfizer /Biontech für Kinder ab fünf Jahren entscheiden. Mit einer Zulassung wird gerechnet. Die zuständigen Expertinnen und Experten hatten gut zwei Monate lang die Daten zu Risiken und Effektivität des Impfstoffs bei Fünf- bis Elfjährigen geprüft.

Wenn die Ema-Experten grünes Licht geben, muss offiziell noch die EU-Kommission zustimmen – das aber gilt als Formsache. Die Stiko will ihre Empfehlung für Deutschland dann noch vor Jahresende abgeben.

In Europa ist der Impfstoff von Pfizer und Biontech bisher nur für Menschen ab zwölf Jahren zugelassen. Doch in Israel, den USA und Kanada dürfen damit bereits Kinder ab fünf Jahren geimpft werden.

Das Bundesgesundheitsministerium rechnet damit, dass ab dem 20. Dezember 2021 die Vakzine für Kinder ab für Jahren verfügbar ist, und hat zunächst rund 2,4 Millionen Dosen bereitgestellt. Insgesamt gibt es in Deutschland 9,2 Millionen Kinder unter zwölf Jahren.

mrc
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