Blutgerinnsel in einzelnen Fällen Stiko will Impfstoff von Johnson & Johnson nur für über 60-Jährige empfehlen

Nach SPIEGEL-Informationen plant die Ständige Impfkommission, die Vakzine von Johnson & Johnson nur noch für Menschen ab 60 zu empfehlen – wie bei AstraZeneca. Jüngere sollen das Mittel aber nach ärztlicher Beratung weiter erhalten dürfen.
Ampulle mit dem Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson

Ampulle mit dem Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson

Foto: Michael Ciaglo / Getty Images

Dem Coronaimpfstoff des Herstellers Johnson & Johnson droht offenbar ein ähnliches Schicksal wie dem von AstraZeneca: Nach Informationen des SPIEGEL will die Ständige Impfkommission (Stiko) ihn am Montag nur noch für Personen ab 60 Jahren empfehlen. Jüngere sollen den Impfstoff demnach aber nach Aufklärung durch einen Arzt weiter nutzen dürfen.

Die Pressestelle des Robert Koch-Instituts bestätigte, dass sie nächste Woche eine Stellungnahme der Stiko erwarte. Wie diese aussehen werde, wollte eine Sprecherin indes nicht kommentieren.

Ähnlich wie beim Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca wurden auch bei Johnson & Johnson in einzelnen Fällen Blutgerinnsel nach einer Impfung beobachtet. Die USA hatten die Impfungen mit der Vakzine deshalb vorübergehend ausgesetzt. Schließlich entschieden die Arzneimittelbehörde FDA und die Gesundheitsbehörde CDC aber gemeinsam, den Wirkstoff wieder einzusetzen.

Ema empfiehlt Vakzine von J&J uneingeschränkt

In der EU ist der Johnson-&-Johnson-Impfstoff bereits seit März zugelassen, wurde dort bislang aber kaum verabreicht. Wegen der Thrombosefälle in den USA hatte der Hersteller die für Mitte April geplante Auslieferung vorübergehend gestoppt. Nach einer Prüfung der in den USA aufgetretenen Blutgerinnsel-Fälle im Zusammenhang mit der Vakzine erklärte die EU-Arzneimittelbehörde zuletzt, an ihrer Empfehlung für den Impfstoff festzuhalten.

Die EU-Behörde hatte ihre Entscheidung damit begründet, dass der Nutzen des Impfstoffs die Risiken überwiege. Allerdings sollten Blutgerinnsel in die Liste der »sehr seltenen« Nebenwirkungen aufgenommen werden. Den Produktinformationen könne eine entsprechende Warnung hinzugefügt werden.

Der Vektorvirenimpfstoff von Johnson & Johnson hat den Vorteil, dass er leicht lagerbar ist. Außerdem ist nur eine Dosis zur Immunisierung notwendig. Er sollte deshalb in Deutschland verstärkt in sozialen Brennpunkten eingesetzt werden.

Die erwartete Stiko-Empfehlung dürfte Probleme nach sich ziehen: Viele ältere Menschen in Deutschland sind bereits mit Produkten anderer Hersteller geimpft worden – die Gruppe der Personen, für die Johnson & Johnson dann empfohlen ist, könnte damit sehr überschaubar sein.

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