"Ein einsamer Tod" Steinmeier und Spahn schlagen offizielle Gedenkfeier für Corona-Opfer vor

"Wir müssen den Menschen in ihrer Trauer helfen", sagt Bundespräsident Steinmeier - und spricht sich für einen Staatsakt zum Gedenken an die Opfer der Pandemie aus. Auch Gesundheitsminister Spahn ist dafür.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: "Wir müssen den Menschen in ihrer Trauer helfen" (Archivbild)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: "Wir müssen den Menschen in ihrer Trauer helfen" (Archivbild)

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Maja Hitij / Getty Images

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn haben sich für eine offizielle Trauerveranstaltung zum Gedenken an die Todesopfer der Corona-Pandemie in Deutschland ausgesprochen. "Der Corona-Tod ist ein einsamer Tod", sagte Steinmeier dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" am Wochenende. Viele Patienten in Krankenhäusern und Altenheimen seien ohne den Beistand ihrer Angehörigen gestorben, die Hinterbliebenen hätten nicht Abschied nehmen können.

"Wir müssen den Menschen in ihrer Trauer helfen - und darüber nachdenken, wie wir unser Mitgefühl ausdrücken können", sagte Steinmeier. Wann dafür der richtige Zeitpunkt sei und ob etwa eine Gedenkstunde der richtige Rahmen sei, werde er mit den Vertretern der anderen Verfassungsorgane besprechen.

"Wir haben 9300 Tote zu beklagen", sagte der Bundespräsident. Das seien zwar niedrigere Todeszahlen als anderswo. "Aber es sind in sechs Monaten dreimal so viel wie die jährlichen Verkehrstoten. Das sollten wir nicht übersehen." Steinmeier mahnte, "die gesunkenen Zahlen von Neuinfektionen und die deshalb möglichen Lockerungen sind überzeugende Argumente, auf dem Weg der Vorsicht zu bleiben". Aus der "Corona-Müdigkeit" dürfe keine Rücksichtslosigkeit werden.

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Spahn: "Wahrnehmen, welche Härten, welches Leid es gegeben hat"

Gesundheitsminister Spahn sagte in einer Livesendung der "Bild"-Zeitung am Sonntag, er könne es "grundsätzlich nur richtig finden", dass "wir miteinander als Nation, als Gesellschaft" das Gedenken an die Corona-Opfer begehen. Es sei wichtig zu zeigen, "dass wir wahrnehmen, welche Härten, welches Leid es gegeben hat und zum Teil bis heute noch gibt." Ein Staatsakt für die Opfer der Epidemie in Deutschland solle auch jenen gewidmet werden, für welche die Coronakrise "hart war im Alltag", sagte Spahn.

Kanzleramtschef Helge Braun hatte bereits im Juli für einen Staatsakt für die deutschen Corona-Toten nach spanischem Vorbild plädiert und diesen als möglichen "Schlusspunkt der Pandemie" bezeichnet.

Was die Corona-Statistik verrät – und was nicht

Die offiziell gemeldete Zahl der Infizierten bezieht sich ausschließlich auf mit Labortests nachgewiesene Infektionen. Wie viele Menschen sich tatsächlich täglich neu infizieren und bislang infiziert waren, ohne positiv getestet worden zu sein, ist unklar. Antikörperstudien zeigen, dass es eine erhebliche Dunkelziffer an unentdeckten Infektionen gibt.

Die offizielle Zahl der Toten beschreibt, wie viele Menschen mit dem Virus gestorben sind. In wie vielen Fällen die Infektion ursächlich für den Tod war, lässt sich daraus nicht unmittelbar ablesen. Obduktionsstudien zeigen aber, dass bei den meisten Toten die Covid-19-Erkrankung auch die Todesursache war.

Mehr Informationen dazu, was im Umgang mit Corona-Daten zu beachten ist und welche Quellen der SPIEGEL nutzt, lesen Sie hier.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montagmorgen meldeten die Gesundheitsämter zuletzt innerhalb eines Tages 814 neue Corona-Infektionen. Die gemeldeten Fallzahlen an Sonntagen und Montagen sind allerdings erfahrungsgemäß oft niedriger, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln.

Seit Beginn der Coronakrise haben sich demnach mindestens 250.799 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 7.9., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9325. Seit dem Vortag wurde kein weiterer Todesfall gemeldet. Bis Montagmorgen hatten etwa 225.000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

mes/dpa/AFP
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