Umfrage zur Bundestagswahl Ungeimpfte wählen vor allem AfD und »Die Basis«

Rund 15 Millionen Erwachsene in Deutschland sind nicht gegen Covid-19 immunisiert. Die meisten von ihnen neigen laut einer Forsa-Erhebung offenbar dem politisch rechten Spektrum zu.
»Querdenken«-Demonstration in München (im September): Viel Zuspruch für die AfD

»Querdenken«-Demonstration in München (im September): Viel Zuspruch für die AfD

Foto: ALEXANDER POHL / aal.photo / IMAGO

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Etwa zwei Drittel aller erwachsenen ungeimpften Wählerinnen und Wähler in Deutschland votieren laut einer Umfrage des Forsa-Instituts für Parteien aus dem rechten politischen Spektrum.

Demnach haben 50 Prozent der ungeimpften Wählerinnen und Wähler bei der Bundestagswahl im September ihr Kreuz bei der AfD gemacht. Das ist laut Forsa das Ergebnis einer Analyse von soziodemografischen Angaben der insgesamt 3.048 Menschen, die für die Umfrage zwischen Ende September und Mitte Oktober befragt wurden.

Der Stimmenanteil der in Teilen rechtsextremen Partei unter den Ungeimpften wäre damit fast fünfmal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung: Bei der Wahl erreichte die AfD 10,3 Prozent der Zweitstimmen.

Weitere 15 Prozent der Befragten votierten demzufolge für die sogenannte »Querdenker«-Partei »Die Basis«. Diese Neugründung, deren Vertreter unter anderem durch antisemitische Äußerungen auffielen, hatte bei der Bundestagswahl insgesamt nur 1,4 Prozent aller Stimmen gewonnen.

Beauftragt wurde die Studie ursprünglich vom Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU). Das Ministerium hatte die Ergebnisse schon vor Wochen veröffentlicht  – allerdings ohne Angaben zur Parteienpräferenz der Nicht-Geimpften. Denn diese war, wie Spahns Haus betont, nicht Teil des Auftrags. Forsa führte diesen Teil der Studie auf eigene Veranlassung durch, wie das Meinungsforschungsinstitut bestätigte.

Demnach werden auch die Freien Wähler von Nicht-Immunisierten öfter gewählt als im Bundesdurchschnitt: 4 Prozent gegenüber dem Wahlergebnis von 2,4 Prozent.

Dagegen sind die drei größten Fraktionen im Bundestag unter Ungeimpften extrem unbeliebt. Für die SPD votierten laut der Befragung nur 5 Prozent der Ungeimpften; sie hatte die Wahl mit 25,7 Prozent aller Stimmen gewonnen. Die Union kam bei Forsa unter den Nicht-Immunisierten auf 6 Prozent; das war weit unter dem Wahlergebnis von 24,1 Prozent. Für die Grünen votierten ganze 3 Prozent der Umfrageteilnehmer; bei der Bundestagswahl hatte die Partei insgesamt 14,8 Prozent erhalten.

Etwas schwächer als bei der Wahl schnitten in der Ungeimpften-Befragung die FDP und die Linke ab. Die Liberalen, die sich immer wieder für lockerere Corona-Maßnahmen stark machen, kamen hier auf 10 Prozent, die Linkspartei auf 4 Prozent.

Die Umfrage hatte zudem ergeben, dass sich ein großer Teil der bislang Ungeimpften auch weiterhin nicht immunisieren lassen möchte. Rund 65 Prozent der Befragten gaben an, sich »auf keinen Fall« in den nächsten zwei Monaten impfen zu lassen. 23 Prozent tendierten zu »eher nein«. Lediglich 2 Prozent der Befragten wollten »auf jeden Fall« immunisiert werden. 10 Prozent zeigten sich unentschlossen.

Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass sich bislang Ungeimpfte von den regierenden Parteien wohl kaum noch umstimmen lassen.

Darin könnte jedoch auch eine Chance liegen: Weder die bislang regierende Große Koalition noch die Parteien des künftigen Ampelbündnisses, abgesehen von der FDP, müssen offenbar fürchten, durch strengere Schutzmaßnahmen potenzielle Wählerinnen und Wähler zu vergraulen.

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