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Alexander Neubacher

Coronaversager Markus Söder vom Team Maulheld

Alexander Neubacher
Eine Kolumne von Alexander Neubacher
Die Katastrophenbilder aus Bayerns Krankenhäusern zeigen, was vom selbst ernannten Corona-Kraftprotz zu halten ist.
aus DER SPIEGEL 49/2021
CSU-Chef Söder

CSU-Chef Söder

Foto: Peter Kneffel / DPA

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Vergangenen Sonntag landete ein Airbus der Luftwaffe auf dem Helmut-Schmidt-Airport in Hamburg. Die Maschine kam aus München, sie brachte schwer kranke Coronapatienten. Bayerns Intensivstationen haben vor der vierten Welle kapituliert, im Freistaat gibt es offenbar kaum noch freie Kapazitäten, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Saarland und Rheinland-Pfalz helfen. 29 bayerische Patientinnen und Patienten wurden allein letztes Wochenende von Bundesländern aufgenommen, denen sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder normalerweise himmelweit überlegen fühlt.

Ich habe die TV-Bilder der Hilfsaktion in den Nachrichten gesehen. Sie beenden die Show des selbst ernannten Corona-Kraftprotzes Söder. Wir erleben das Scheitern des CSU-Chefs und bayerischen Ministerpräsidenten auf offener Bühne.

Aus: DER SPIEGEL 49/2021

Entscheidung zwischen Leben und Tod

Im Süden und im Osten des Landes sind Kliniken so überfüllt, dass Ärzte Patienten verzweifelt quer durchs Land verlegen, auf der Suche nach einem Intensivbett. Kann die Triage noch abgewendet werden? Die neue Regierungskoalition verschärft die Maßnahmen, schreckt aber vor harten Regeln zurück.

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Söder präsentierte sich lange als Macher, der das Virus mit harter Hand in Schach hält und den Zögerlichen, den Ahnungslosen, den Hallodris im Rest der Republik erklärt, was sie falsch machen. Damit versuchte er, die Öffentlichkeit zu täuschen. In Wahrheit war Bayern Corona-Sorgenland. Söder bekam die Lage oft schlechter in den Griff als die meisten seiner Amtskollegen. Gleich am Anfang der Pandemie beschwor er die Infektionsgefahr für ältere Menschen. Die Todesrate im Freistaat lag in den ersten Monaten seltsamerweise trotzdem um 100 Prozent über dem Bundesschnitt, auch wegen größerer Ausbrüche in Pflegeheimen. Im Sommer 2020 kam es in bayerischen Testzentren zu unglaublichen Pannen. Hunderte Infizierte konnten tagelang nicht informiert werden.

Söder stand lange im Ruf des erfolgreichen Krisenmanagers, gerade auch im Vergleich zu Armin Laschet, dem damaligen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen. Team Vorsicht schlägt Team Risiko, so war der Eindruck, der Laschet später im Bundestagswahlkampf nicht genutzt haben dürfte. In Wahrheit stand Bayern bei wichtigen Coronaindikatoren nicht besser da als Nordrhein-Westfalen, sondern oft schlechter.

Bis heute haben sich 8,8 Prozent der Bayern nachweislich mit dem Virus infiziert, nur Sachsen und Thüringer traf es härter. Gut 1,3 Promille der bayerischen Bevölkerung sind an oder mit Corona verstorben, ein trauriger Spitzenwert unter den westlichen Bundesländern. Dafür ist der Anteil der Geimpften in Bayern mit unter 70 Prozent besonders niedrig. Die Impfkampagnen haben nicht einmal alle Fußballer vom FC Bayern München überzeugt.

Zuletzt machte Söder die künftige Ampelkoalition in Berlin für die schlechte Lage verantwortlich. Doch damit kommt er nicht mehr durch. Die Bilder der Bundeswehrmaschinen sind zu stark. Bayern ist Katastrophengebiet, Söder hat die Kontrolle verloren. Er ist nicht Team Vorsicht, sondern Team Maulheld.

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