Ansteckung bei Public Viewing Virologe erwartet Anstieg von Coronainfektionen nach WM-Spielen

Die WM in Katar könnte schlecht für die Gesundheit sein: Der Virologe Hendrik Streeck fürchtet, dass Public Viewing die Infektionszahlen hochtreibt.
Bonner Virologe Hendrik Streeck

Bonner Virologe Hendrik Streeck

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Zuletzt sind die Zahlen der Coronainfektionen gesunken. Das Robert Koch-Institut geht von einem Effekt der Herbstferien aus. In den kommenden Wochen könnte sich dieser Trend aber wieder ändern. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck führt das auch auf die Fußballweltmeisterschaft und das Public Viewing zurück.

Anders als sonst finde die WM in der kalten Jahreszeit statt, erläuterte Streeck. »Wir können nicht mehr – wie in den vergangenen Jahren – draußen im Freien die Spiele schauen, zum Beispiel beim Public Viewing, sondern werden in Innenräumen sein«, sagte er. Dabei sitze man eng zusammen, die Belüftung sei oft schlecht. Zudem falle die Verlagerung genau in eine Zeit, in der sowieso vermehrt Infektionen zu beobachten seien – nicht nur mit Corona. Daher rechne er während der WM mit mehr Erkrankungen.

Allerdings rate er auch zu Pragmatismus, sollte es so kommen, sagte Streeck. »Ich glaube, dass wir damit umgehen können werden.« Es gehe dann um »Eigenverantwortung« und darum, das Bewusstsein zu schärfen. Auch die FDP fordert mehr Eigenverantwortung und will die Coronamaßnahmen weiter lockern.

»Wenn man Husten und Schnupfen bekommt, sollte man nicht seine Oma im Altenheim besuchen«, nannte Streeck als Beispiel. Wenn man vorsichtig sein wolle, könne man sich auch eine Gruppe suchen, mit der man immer gemeinsam Fußball schaue. »Das kann eindämmen, dass sich Infektionen über einen gewissen Kreis hinaus verbreiten.«

Streeck verwies auf die Kieler Woche und das Oktoberfest – zwei Großveranstaltungen der vergangenen Monate. »Bei beiden hat man danach einen Anstieg des Infektionsgeschehens gesehen«, sagte er. »Aber auch damit konnte man umgehen.«

Die Fußball-WM 2022 in Katar wird am 20. November eröffnet. Das Finale ist kurz vor Weihnachten geplant – am 18. Dezember. Das Turnier ist aus unterschiedlichen Gründen umstritten. Katar steht wegen Menschenrechtsverletzungen und dem Umgang mit ausländischen Arbeitern stark in der Kritik.

Eine Fußball-WM im Winter sei nur ein Aspekt, der Fragen aufwerfe, sagte Streeck. »Es in einem Land durchzuführen, wo man Menschenrechte mit Füßen tritt – das kann ich nicht verstehen«, ergänzte er.

mfh/dpa
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