Krisengebiet Wuhan Bundeswehr soll Deutsche ausfliegen

Die Bundesregierung will so schnell wie möglich alle Deutschen aus der chinesischen Region Wuhan ausfliegen. Nach SPIEGEL-Informationen soll die Bundeswehr die heikle Evakuierung übernehmen.
Medevac-Airbus der Luftwaffe (Archiv): Bisher keine gemeldeten Verdachtsfälle unter den Deutschen

Medevac-Airbus der Luftwaffe (Archiv): Bisher keine gemeldeten Verdachtsfälle unter den Deutschen

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Die Bundesregierung setzt für die Evakuierung aller Deutschen aus dem vom Ausbruch des Coronavirus betroffenen Region Wuhan die Bundeswehr in Marsch. Nach SPIEGEL-Informationen soll die Luftwaffe entweder Mittwoch oder Donnerstag nach China fliegen und rund 90 Deutsche ausfliegen, die sich beim Auswärtigen Amt (AA) gemeldet hatten.

Nach SPIEGEL-Informationen wurde bereits seit dem Wochenende geplant, dass ein oder zwei Jets der Luftwaffe nach China geschickt werden sollen. Neben dem Einsatz eines Passagierjets vom Typ A310 war auch einer der mit mehreren Intensivstationen ausgestatteten Medevac-Airbus im Gespräch. 

Da es jedoch bisher keine gemeldeten Verdachts- oder gar Infektionsfälle unter den Deutschen in der Krisenregion gibt, braucht man diesen Jet vermutlich nicht. Trotzdem wird er von der Luftwaffe weiterhin bereitgehalten.

Scheitert die Operation an den Chinesen

Der Krisenstab im Auswärtigen Amt hatte die Rückholaktion am Montagmorgen formal beschlossen. In der Runde wurde zunächst Stillschweigen vereinbart. Da auch andere Nationen allerdings ähnliche Rettungsoperationen für ihre Staatsbürger ankündigten, ging Außenminister Heiko Maas wenig später an die Öffentlichkeit, da man Frust unter den Deutschen fürchtete.

Einziger Stolperstein für die Operation sind nun die Chinesen. Nach SPIEGEL-Informationen bestand Peking in den Gesprächen mit der Bundesregierung bisher darauf, dass die Deutschen nicht von Militärflugzeugen ausgeflogen werden. In China fürchtet die Regierung, dass allein die Bilder von landenden Militärjets aus dem Ausland für noch mehr Panik vor dem grassierenden Virus auslösen könnte.

Auch besteht die chinesische Regierung darauf, dass nur deutsche Staatsbürger ausgeflogen werden. Das aber stellt viele binationale Paare in der Region vor ein Problem: Soll der deutsche Partner den chinesischen in Wuhan zurücklassen? 

Das AA wollte die Details für die Bundeswehroperation am Montag nicht kommentieren. Dort hieß es aber, man sei "zu einer Rückholung nicht erkrankter deutscher Staatsangehöriger aus Wuhan grundsätzlich bereit", allerdings seien unter anderem mit der chinesischen Seite noch "operative Fragen zu klären". Bei der Bundeswehr hieß es offiziell lediglich, man bereite sich auf alle Eventualitäten vor.

"Gut, dass wir aus Deutschland noch einige Schutzmasken mitgebracht haben"

Etwa 90 Deutsche, die sich in der Region Wuhan aufhalten, haben sich mittlerweile auf der Website für die elektronische Erfassung für Deutsche im Ausland ("Elefand") eingetragen und stehen mit der Botschaft in Peking im Kontakt. Am Montag entsandte die Botschaft ein kleines Team von Diplomaten mit dem Auto in die abgeriegelte Region, um sich ein Bild der Lage zu machen.

Ein deutsches Ehepaar, das am 14. Januar nach Wuhan flog, beschrieb die Lage in einem Telefonat mit dem SPIEGEL als angespannt. Demnach sitzen die beiden seit mehreren Tagen in einem Hotel in der Innenstadt fest. Seit Montag gebe es in dem Hotel kein Frühstück mehr, berichtete der Ehemann per Telefon, auch Reinigungspersonal erscheine nicht mehr. Stattdessen seien am Samstag 200 Mediziner eingezogen.

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Der Deutsche beschrieb, dass sie Glück gehabt hätten. "Gut, dass wir aus Deutschland noch einige Schutzmasken mitgebracht haben", sagte er am Telefon. Sie hätten gewusst, dass in Wuhan Fälle von Lungenkrankheit aufgetreten waren. "Aber bei unserem Abflug war noch keine Rede davon, dass dieser Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann", berichtete er.

Erreger gibt Rätsel auf

Noch gibt der Erreger den Medizinern Rätsel auf. Die chinesische Regierung infomiere nur häppchenweise über ihre Erkenntnisse, heißt es in Berlin. In der Bundesregierung wundert man sich, warum China einerseits darauf pochte, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO den Ausbruch nicht als internationalen Gesundheitsnotfall einstuft, andererseits aber Bilder verbreitet, auf denen Ärzte in Schutzanzügen herumlaufen. 

Noch bewertet die WHO das Risiko der Ausbreitung des Erregers über die ganze Welt als "moderat". "Der unzureichende Wissenstand hinsichtlich Infektionsquelle, Übertragung und der Schweregrad/Letalität der Erkrankung erschwert die abschließende Risikobewertung", so ein AA-Lagebild vom Wochenende. "Die Quelle(n) und Übertragungswege der Infektion sind nicht abschließend geklärt, eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist möglich", heißt es in dem Papier.