Coronakrise in Sachsen Regierungschef Kretschmer räumt Fehler ein

Während der Pandemie habe sein Land zu zögerlich agiert, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer in einem Interview. Erst Besuche in Krankenhäusern hätten ihm die Dramatik der Lage bewusst gemacht.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer

 Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer

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Peter Endig / dpa

Was alles schiefläuft und schiefgelaufen ist in Sachsen – darüber wurde schon viel geschrieben. Das Bundesland wurde im Herbst besonders hart von der zweiten Corona-Welle getroffen. Seit Wochen sind die Infektionszahlen sehr hoch, es gibt pro Einwohner deutlich mehr Covid-19-Tote als in anderen Bundesländern.

Nun hat Michael Kretschmer, der CDU-Ministerpräsident des Landes, Fehler beim Corona-Krisenmanagement eingeräumt. Im Herbst sei die Landespolitik aufgrund der allgemeinen Stimmung zu zögerlich gewesen, mit harten Maßnahmen auf die Pandemie zu reagieren, sagte der CDU-Politiker der Chemnitzer »Freien Presse«. 

»Ich hätte mir gewünscht, dass ich früher gewarnt worden wäre«

In der Rückschau wäre es besser gewesen, das Land deutlich früher herunterzufahren, »auch wenn das bestimmt viel Unverständnis in der Bevölkerung ergeben hätte«.

Ihm selbst sei der Ernst der Lage erst bewusst geworden, nachdem er im Dezember mehrere Krankenhäuser in Pirna, Görlitz, Aue und Bischofswerda besucht hatte. »Nachdem wir die Situation erfasst haben, haben wir sofort gehandelt«, sagte Kretschmer. »Ich hätte mir gewünscht, dass ich früher gewarnt worden wäre.«

Ramelow: »Die Kanzlerin hatte recht, und ich hatte Unrecht.«

Zuvor hatte auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) Fehler eingestanden. Er bedauere seinen früheren Widerstand gegen härtere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, sagte er der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« . Er ärgere sich, dass er im November innerlich nicht bereit war, zu sagen: »Den Dezember mit seinen vielen Feiertagen nutzen wir bundesweit für eine Generalpause.« Alles, was nicht lebensnotwendig sei oder systemisch nicht abgestellt werden könne, hätte vier Wochen lang angehalten werden müssen.

Im Sommer und Herbst hatte sich Ramelow gegen stärkere Einschränkungen gewandt. Im Rückblick sei das falsch gewesen, sagte er der Zeitung. Er habe sich zu lange von »der irrigen Hoffnung leiten lassen«, ein weicher Lockdown könne die Welle brechen.

»Die Kanzlerin hat es immer wieder in aller Deutlichkeit gesagt, aber im Kreise der Ministerpräsidenten wollte man es nicht so recht hören – auch ich nicht«, sagte Ramelow. Die ständigen Mahnungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe er »als Belästigung empfunden«. Heute müsse er jedoch sagen: »Die Kanzlerin hatte recht, und ich hatte Unrecht.«

hda/dpa/AFP
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