SPD-Ministerpräsidentin Dreyer wehrt sich gegen Vorwurf der Corona-Verharmlosung

Deutschland sei »insgesamt gut durch die Pandemie gekommen«: Für diesen Satz bei »Anne Will« steht die rheinland-pfälzische Landeschefin Malu Dreyer in der Kritik. Die Sozialdemokratin fühlt sich missverstanden.
Rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer (SPD): »In Anbetracht der Pandemie ist ›gut‹ die falsche Vokabel«

Rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer (SPD): »In Anbetracht der Pandemie ist ›gut‹ die falsche Vokabel«

Foto: Rainer Unkel / imago images

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) wehrt sich gegen Vorwürfe, sie relativiere die Folgen der Corona-Pandemie in Deutschland. Eine ihrer Aussagen in der ARD-Talkrunde »Anne Will« sei missverstanden worden, sagte Dreyer dem SPIEGEL. 

Am Sonntagabend hatte die Sozialdemokratin in der Sendung gesagt: »Ich finde, dass wir insgesamt gut durch die Pandemie gekommen sind.« Für diesen Satz war Dreyer noch in der Sendung und kurz darauf in sozialen Netzwerken scharf kritisiert worden. Angesichts von mehr als 50.000 Corona-Toten in Deutschland verharmlose Dreyer die Pandemie, so der Tenor.

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Dreyer reagiert nun auf die Vorwürfe. »Ich bedaure, dass diese Aussage missverstanden wurde«, sagte Dreyer dem SPIEGEL. »In Anbetracht der Pandemie ist ›gut‹ die falsche Vokabel. Was ich ausdrücken will, ist, dass wir ein starkes Gesundheitssystem haben, bei dem sich die Menschen darauf verlassen können, dass sie die medizinische Behandlung bekommen, die sie auch brauchen.«

Deutschland habe einen starken Sozialstaat, sagte die SPD-Politikerin. »Wir können Corona nicht ungeschehen machen, aber Bund und Länder tun alles dafür, um das Virus einzudämmen, dafür zu sorgen, dass alle Erkrankten versorgt werden können und die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Folgen aufzufangen.«

Dreyer beklagte, es sei angesichts der Polarisierung der Debatten »nicht leicht, eine Politik des Ausgleichs zu machen«. Man beobachte, was Deutschland von anderen Ländern bei der Pandemiebekämpfung lernen könne. »Aber wir müssen immer unseren europäischen Weg finden. Wir treffen unsere Entscheidungen auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und Empfehlungen«, so Dreyer: »Und wir sehen in der Wissenschaft wie in der Politik: Wir erlangen täglich neue Erkenntnisse, auf die wir immer wieder neu reagieren müssen.«

Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) am Montag 6729 Corona-Neuinfektionen. Außerdem wurden 217 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI mitteilte. Am vergangenen Montag gab es laut RKI 7141 Neuinfektionen und 214 neue Todesfälle binnen 24 Stunden. Allerdings waren die Daten aus Rheinland-Pfalz zu diesem Zeitpunkt nur unvollständig übermittelt worden. An Montagen sind die Zahlen zudem meist geringer, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird.

Die Impfungen in Deutschland verlaufen derweil weiter schleppend. Die Zahl der Erstimpfungen stieg laut RKI auf 1.554.355. Die Impfquote der Bevölkerung erreichte damit 1,9 Prozent. Zudem erhielten bisher 228.763 Menschen die erforderliche zweite Injektion.

cte