Urlaub in Corona-Zeiten Außenminister Maas warnt vor Wettlauf bei Reiselockerungen

Urlaub im Ausland? Vorerst wohl nicht, dämpft Außenminister Maas die Erwartungen der Bürger. Auslöser für die Warnung: Österreich hatte angeboten, seine Grenzen für deutsche Touristen zu öffnen.
Radfahrer auf der Hochalpenstraße am Großglockner in Österreich

Radfahrer auf der Hochalpenstraße am Großglockner in Österreich

Foto: Daniel Naupold/ picture alliance / dpa

Angesichts der Diskussionen um die bevorstehende Urlaubssaison hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) die Erwartungen an eine baldige Öffnung von europäischen Reisezielen gedämpft. "Ein europäischer Wettlauf darum, wer touristische Reisen zuerst wieder zulässt, führt zu unvertretbaren Risiken", sagte Maas der "Bild am Sonntag". "Was ein Infektionscluster in einem beliebten Urlaubsgebiet in den Heimatländern der Touristen anrichten kann, haben wir bereits erlebt", erinnerte Maas an die Infektionsfälle im österreichischen Skiort Ischgl. Das dürfe sich nicht wiederholen, mahnte der Minister.

Stattdessen brauche Europa gemeinsame Kriterien für einen Weg zurück zur Reisefreiheit - "so schnell wie möglich, aber so verantwortlich wie nötig". Auslöser für die Warnungen des Außenministers sind unter anderem die Pläne des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz für eine schrittweise Grenzöffnung für Urlauber etwa aus Tschechien oder Deutschland. "Wir dürfen uns die hart erkämpften Erfolge der letzten Wochen nicht kaputt machen", sagte Maas. Sonst werde es noch sehr viel länger Reisebeschränkungen geben.

  • Wie Ischgl zur Drehscheibe für das Coronavirus wurde, lesen Sie hier bei SPIEGEL+: Das Ischgl-Protokoll 

  • Was das Außenministerium in Sachen Reisewarnungen plant, finden Sie hier: Die Ferienfrage

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, hält große Fernreisen ebenfalls für unmöglich - nicht aber Urlaub im eigenen Land. Er sprach sich allerdings für vorsichtige Lockerungen bei der geltenden weltweiten Reisewarnung aus.

Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Große Fernreisen werden in diesem Jahr eher ausfallen. Es steht für viele Heimaturlaub auf dem Programm. Ich gehe davon aus, dass das möglich sein wird, hoffentlich auch schon im Sommer." Dazu brauche es aber klare Sicherheitskriterien. "Sicherheitsabstände, regelmäßige Desinfektion oder auch Tests für Personal und Mitarbeiter sind sicher vorstellbar."

Deutschland sei groß und habe sehr viele schöne Reiseziele. "Aber in der Tat kann es natürlich an besonders beliebten Zielen auch zu Problemen kommen. Sicherheitsregeln und Abstand spielen diesen Sommer eine große Rolle. Handtuch an Handtuch am Nordseestrand wird es dieses Jahr nicht geben. Die Menschen sind bisher sehr verantwortungsvoll mit der Lage umgegangen und ich vertraue darauf, dass Reisen, wenn auch mit Einschränkungen, möglich sein wird."

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Klöckner wirbt für Urlaub auf dem Land

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wirbt für Sommerurlaube auf dem Land. Dort gebe es "viele kleine Ferienwohnungen bis hin zum Urlaub auf dem Bauernhof mit eigenem Wohnbereich", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Auch in vielen Landgasthöfen mit großen Außenbereichen gibt es Platz für ausreichend Abstand zueinander." Für diese Bereiche könnte sie sich gut vorstellen, dass sie Teil der Urlaubsplanungen sein könnten, wenn Abstands- und Hygieneregeln auch wirklich einzuhalten sind, sagte die Ministerin.

Sie meine damit aber "keine Gruppenreisen mit Disko- und Barbesuchen". Bei den Planungen müsse mit Bedacht vorgegangen werden. In großen Hotels, in denen am Frühstücksbuffet Hunderte Gäste aufeinander treffen, sei Urlaub aktuell schwer vorstellbar. "Hier würde es wahrscheinlich schwer werden, Infektionsketten nachzuvollziehen."

Der Reisebranche droht eine Pleitewelle

Derweil warnt der Deutsche Reiseverband (DRV) vor einer Konkurswelle in der Tourismusbranche. 60 Prozent der Reisebüros und Reiseveranstalter sehen sich unmittelbar von der Insolvenz bedroht, jedes fünfte hat bereits Mitarbeiter entlassen müssen, wie die "Bild am Sonntag" basierend auf einer DRV-Mitgliederbefragung berichtet. 80 Prozent der Unternehmen mussten demnach bereits staatliche Hilfen beantragen.

"Wenn wir nicht bald spezifische Unterstützung der Bundesregierung erhalten, wird es die mittelständisch geprägte Reisewirtschaft mit ihren vielen kleinen Reiseveranstaltern und Reisebüros, so wie wir sie kennen, sehr bald nicht mehr geben", sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig gegenüber der Zeitung. Schon jetzt seien mehr als 4,8 Milliarden Euro Umsatzausfälle zu beklagen. Die Soforthilfen würden nicht ausreichen. Der Deutsche Reiseverband fordert einen Rettungsschirm für die 11.000 Reisebüros und 2300 Reiseveranstalter in Deutschland.

oka/AFP/dpa
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