Coronakrise Bundeswehr will Soldaten aus dem Irak abziehen

Das Verteidigungsministerium will wegen der Coronakrise alle Soldaten aus dem Irak abziehen. Nach SPIEGEL-Informationen wurde zudem auch ein Awacs-Überwachungsjet aus der Türkei zurückgeholt.
Soldat der Bundeswehr bei der Ausbildung irakischer Kräfte in Erbil (Foto von 2019)

Soldat der Bundeswehr bei der Ausbildung irakischer Kräfte in Erbil (Foto von 2019)

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Michael Kappeler/ picture alliance/dpa

Die Coronakrise hat Folgen für die Einsätze der Bundeswehr im Ausland. Nach dem Willen des Verteidigungsministeriums sollen wegen der Ausbreitung des Virus alle deutschen Soldaten den Irak verlassen.

Am Dienstag wurde entschieden, dass zunächst die bei Bagdad stationierten Ausbilder der Truppe nach Erbil in den Norden des Lands gebracht werden sollen. Danach würde das Ministerium alle Soldaten gern abziehen. Allerdings muss noch geklärt werden, ob die Soldaten vor einer Rückverlegung in Quarantäne müssen.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Im Irak breitet sich das Coronavirus schnell aus, da das Land an Iran grenzt und infizierte Personen weitgehend unkontrolliert in den Irak einreisen können. In offiziellen Verlautbarungen ist derzeit von rund hundert bestätigten Infektionen die Rede, die Dunkelziffer dürfte aber höher liegen.

Die Bundeswehr hatte deswegen die Ausbildung der irakischen Armee schon vor Tagen ausgesetzt. Bei Bagdad sind derzeit etwa 48 Deutsche stationiert, in Erbil noch einmal 92.

Der US-Kommandeur der internationalen Militärmission hatte bereits am Montag einen Abzug aller ausländischen Kräfte aus dem Irak angeordnet. Derzeit gibt es keine Hinweise auf infizierte deutsche Soldaten. Angesichts der Lage aber sei es nur verantwortungsvoll, die Truppe jetzt aus dem Land zu bringen, heißt es bei der Bundeswehr.

Neben der Gefahr durch Corona gilt die Sicherheitslage rund um Tadschi als fragil, da es zuletzt zwei Mörserangriffe auf das Lager gab.

Möglicherweise werden alle 140 deutschen Soldaten zunächst auf den Luftwaffen-Stützpunkt nach Jordanien gebracht und müssen dort zwei Wochen in Quarantäne. So will die Truppe sicherstellen, dass kein Soldat das Virus nach Deutschland einschleppt. In einer Unterrichtung für den Bundestag hieß es dazu, über den weiteren Verbleib der Soldaten in Erbil werde "lageabhängig" entschieden.

Der Abzug ist nicht die erste Folge für die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Nach SPIEGEL-Informationen wurde bereits vor einigen Tagen ein Awacs-Überwachungsflugzeug der Bundeswehr aus dem türkischen Konya abgezogen. Die Jets mit einem großen Radar-Pilz fliegen normalerweise im Auftrag der Nato Überwachungsflüge an der Grenze zu Syrien, zudem werden sie zur Koordinierung des Luftraums über Afghanistan eingesetzt. Grund für den Abzug war ein positives Testergebnis bei einem zivilen Angestellten der Allianz.

Kontingentwechsel in Mali vorerst ausgesetzt

Auch der Einsatz im westafrikanischen Mali ist derzeit von den Folgen der Coronakrise betroffen. Eigentlich wollte die Bundeswehr das derzeitige Kontingent von knapp tausend Soldaten dieser Tage auswechseln. Dann aber verhängte Mali strenge Einreiseregeln für alle Risikoländer, deswegen hätten die Soldaten in Mali nach ihrer Ankunft eine zweiwöchige Quarantäne durchlaufen müssen. Ohne Absprache hatte deswegen der "Head of Mission" in New York beschlossen, alle Kontingentwechsel vorerst auszusetzen.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Die Bundeswehr bemüht sich gerade über diplomatische Kanäle, eine Ausnahmegenehmigung für die Soldaten zu erwirken. Parallel dazu wurde für den Afghanistan-Einsatz angeordnet, dass alle neuen Soldaten für die Mission "Resolute Support" vor der Reise in Deutschland zwei Wochen in Quarantäne gehen und dann mit einem Nachweis reisen, dass sie nicht infiziert sind. Eine ähnliche Regelung wurde für die deutschen Soldaten getroffen, die in Litauen stationiert sind.

Die Bundeswehr rechnet damit, dass sich die Kontingentwechsel der Auslandsmissionen durch die Sicherheitsmaßnahmen um die Zeit der Quarantäne verschieben.

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