Impfkampagne Gesundheitsminister beschließen Impfangebot für Kinder ab zwölf Jahren

Die Coronaimpfstoffe von Moderna und Biontech werden künftig für alle Jugendlichen ab zwölf Jahren angeboten. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben zudem Auffrischungsimpfungen für Risikogruppen beschlossen.
In Estland konnten sich Minderjährige ab zwölf Jahren bereits gegen Corona impfen lassen – nun auch in Impfzentren in Deutschland

In Estland konnten sich Minderjährige ab zwölf Jahren bereits gegen Corona impfen lassen – nun auch in Impfzentren in Deutschland

Foto: Raul Mee / picture alliance / dpa / AP

Minderjährige ab zwölf Jahren sollen künftig mehr Möglichkeiten haben, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern einigten sich auf eine entsprechende Ausweitung der Impfkampagne. Sie fassten den Beschluss ohne eine entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Die mRNA-Coronaimpfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna waren bereits durch die Europäische Arzneimittelbehörde (Ema) für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen worden, ein allgemeines Impfangebot für diese Altersgruppe gab es in Deutschland aber noch nicht. Impfwillige konnten die Vakzinen allerdings bereits auf Wunsch und mit Zustimmung der Eltern in Arztpraxen erhalten.

Es stehe ausreichend mRNA-Impfstoff beider Hersteller zur Verfügung, um allen der circa 4,5 Millionen 12- bis 17-jährigen Personen in Deutschland diese Impfung unmittelbar anbieten zu können, heißt es nun in dem Beschluss von Bund und Ländern.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) begrüßte die Einigung der Ministerrunde. Es sei gut, dass die Länder auch dieser Altersgruppe möglichst niedrigschwellig ein Impfangebot machen wollen. »Ein solches Angebot zur individuellen Entscheidung steht im Übrigen im Einklang mit den Empfehlungen der Stiko«, sagte Spahn weiter.

Mit der Ausweitung der Impfangebote für Jugendliche will die Ministerkonferenz auch einem möglichen Anstieg der Infektionszahlen nach Ende der Sommerferien vorausgreifen. Die erweiterten Angebote könnten »zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen«, heißt es.

Die Stiko empfiehlt Coronaimpfungen für Minderjährige bislang generell nur, wenn Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas vorliegen und somit ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf besteht. Stiko-Chef Thomas Mertens hatte die Zurückhaltung seines Gremiums für eine allgemeine Empfehlung zuvor noch verteidigt. »Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben«, so Mertens am Montagmorgen.

Im Interview mit dem SPIEGEL  äußerte Mertens die Hoffnung, dass eine Überarbeitung der bisherigen Stiko-Impfempfehlung in den nächsten zehn Tagen erfolgen könnte. Ob darin auch eine Empfehlung für die Coronaimpfung für alle 12- bis 17-Jährigen stehen werde, könne er jedoch nicht vorausnehmen. »Ich kann jetzt nicht versprechen, dass es eine grundsätzliche Änderung bei der Empfehlung geben wird«, sagte Mertens.

Ministerrunde macht Drittimpfungen für vulnerable Gruppen möglich

Besonders gefährdete Gruppen sollen in Zukunft zudem eine dritte Impfdosis gegen Covid-19 erhalten können. Wie aus einem weiteren Beschluss hervorgeht, soll es ab September etwa in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen Angebote für Drittimpfungen geben. Die dritte Dosis soll demnach frühestens sechs Monate nach Abschluss der ersten Impfserie verabreicht werden.

Berücksichtigt werden sollen zunächst Höchstbetagte, Pflegebedürftige sowie Patientinnen und Patienten mit Immunschwäche oder Immunsuppression. Berechtigte, die zu Hause wohnen, sollen die Auffrischungsimpfungen durch ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte angeboten bekommen.

FDP-Chef Lindner: Impfangebot für Kinder richtig

Der FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner hielt unterdessen Impfangebote für Kindern ab 12 Jahren für sinnvoll. »Ein niedrigschwelliges Angebot für Kinder und Jugendliche ist richtig, denn es handelt sich um zugelassene Impfstoffe«, sagte Lindner am Montag dem SPIEGEL.

Er fügte allerdings hinzu: »Die Familien müssen aber ohne jeden Druck frei entscheiden, ob sie das Angebot annehmen. Der Selbstbestimmung kommt eine besondere Bedeutung zu, weil es keine Empfehlung der Stiko gibt«, so der FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzende.

Mit Blick auf den Unterricht in den Schulen nach den Sommerferien warnte Lindner vor einer Unterscheidung zwischen geimpften und nicht geimpften Kindern und Jugendlichen. »Es darf später nicht zu einer Gefährdung des Schulfriedens durch eine Ungleichbehandlung der Schülerinnen und Schüler kommen. Im Zentrum müssen engmaschige Lolli- oder PCR-Pool-Tests und Hygienekonzepte stehen.«

fek/sev/AFP
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