Coronavirus Seehofer garantiert freien Warenverkehr trotz Grenzschließungen

Die Coronakrise weitet sich aus, Deutschland schließt nun einen Teil seiner Grenzen. Ohne triftigen Grund darf sie niemand mehr überqueren, sagte Innenminister Horst Seehofer. Berufstätigkeit werde explizit nicht verboten.
Die Grenzen werden ab Montag geschlossen

Die Grenzen werden ab Montag geschlossen

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Patrick Hertzog/ dpa

Deutschland schließt wegen der Corona-Pandemie vorübergehend seine Grenzen zu Frankreich, Österreich, Dänemark, Luxemburg und der Schweiz, das bestätigte Innenminister Horst Seehofer auf einer Pressekonferenz. Die Regelung gilt ab Montagmorgen 8 Uhr, dann dürfen Menschen ohne triftigen Reisegrund nicht mehr die Grenzen passieren.

Der Warenverkehr sei aber nicht betroffen, sagte Seehofer, auch für Berufspendler gelte die Regelung nicht, sie sollen mit einem Passierschein weiter zur Arbeit oder nach Hause fahren dürfen. Berufstätigkeit werde explizit nicht verboten, so der Minister. "Die Ausbreitung des Coronavirus schreitet schnell und aggressiv voran (...) Wir müssen davon ausgehen, dass der Höhepunkt dieser Entwicklung noch nicht erreicht ist", sagte Seehofer.

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Polizeikräfte seien bereits unterwegs zu den Grenzabschnitten, sagte der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann. Von Infektionen mit dem Coronavirus sei auch die Bundespolizei betroffen, Romann nannte vier bestätigte Infektionen und 240 Polizisten, die als Kontaktpersonen in Quarantäne seien. "Die Zahlen steigen ständig", sagte er. Es stünden noch Ergebnisse von 90 Tests aus.

Frankreich kündigt Gegenmaßnahmen an

Vor Deutschland hatten bereits andere EU-Staaten Grenzkontrollen eingeführt, darunter Dänemark, Polen, die Slowakei, Tschechien und Österreich. Frankreich kündigte als Reaktion auf die deutschen Maßnahmen ebenfalls verschärfte Kontrollen an.

Dass die Grenzen wegen Hamsterkäufen geschlossen würden, bestätigte Seehofer nicht. Vielmehr handele es sich um gesundheitliche Aspekte bei der Entscheidungsfindung. Die Unterbindung der Infektionsketten sei das Wichtigste, die Verbreitung des Virus finde weiter über die Sozialkontakte statt. Die Zahl der Infektionen in Deutschland mit dem Coronavirus steigt weiter an. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte, gab es am Sonntag 4838 laborbestätigte Infektionen. Am Samstag waren es noch 3795. Die Zahl der Todesfälle wurde mit zwölf angegeben.

In den vergangenen Tagen waren tiefgreifende Maßnahmen von Bund und Ländern beschlossen worden, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen. Kommende Woche bleiben bundesweit Schulen und Kitas geschlossen, um die Ausbreitung zu verlangsamen. In vielen Bundesländern wurde zudem das öffentliche Leben eingeschränkt, etwa durch Verbot von Veranstaltungen mit einer bestimmten Teilnehmerzahl oder Schließungen von Restaurants, Bars, Schwimmbädern oder Kinos.

hba/dpa/Reuters
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