Coronavirus Seehofer verweigert Merkel aus Vorsicht den Handschlag

In Stralsund kündigte Kanzlerin Merkel an, auf das Händeschütteln zu verzichten - genauso wie Innenminister Seehofer. Das sorgte für eine kuriose Szene beim Integrationsgipfel.
Vorsicht vor Etikette: Angela Merkel blitzte mit ihrem Handschlagangebot bei Horst Seehofer ab

Vorsicht vor Etikette: Angela Merkel blitzte mit ihrem Handschlagangebot bei Horst Seehofer ab

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Bernd von Jutrczenka/ dpa

Um die Verbreitung des neuartigen Coronavirus zu begrenzen, raten Ärzte zu häufigem Händewaschen und weniger körperlicher Nähe. Das Händeschütteln soll ebenfalls vermieden werden. Kanzlerin Angela Merkel wolle da mit gutem Beispiel vorangehen, kündigte sie am Samstag bei einer Veranstaltung in Stralsund an. "Ich gebe heute Abend niemandem die Hand", sagte sie laut NDR .

Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hält sich an diesen Rat. Bei offiziellen Terminen kann die Strategie jedoch zu peinlichen Szenen führen - was ausgerechnet Merkel am Montag selbst erfuhr. Da hatte sie ihre guten Vorsätze offenbar schon wieder vergessen.

Bei einem Treffen mit Vertretern von Migrantenverbänden in Berlin bot sie Seehofer die ausgestreckte Hand an, doch der Innenminister reagierte nicht wie erwartet, sondern hob abwehrend die Hand. Anschließend brachen Merkel und Seehofer in Gelächter aus, auch die daneben stehende Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz war sichtlich amüsiert.

Aus dem Innenministerium heißt es auf SPIEGEL-Anfrage, Horst Seehofer habe am Wochenende für sich beschlossen, vorsichtshalber niemandem mehr die Hand zu schütteln. Vor laufender Kamera war er wohl auch auf die Wirkung einer solchen Geste bedacht.

DER SPIEGEL

Denn die Ansteckungsgefahr durch das neue Coronavirus wächst auch in Europa weiter. Die EU-Gesundheitsagentur ECDC habe das Risiko von "moderat" auf "hoch" heraufgestuft, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen.

Das bedeute, dass das Virus sich weiter ausbreite. Insgesamt wurden offiziell bisher rund 2100 Infektionen und 38 Todesfälle in 18 EU-Staaten nachgewiesen.

In Deutschland waren am Montagmorgen 150 Infektionen bestätigt. Die meisten davon wurden in Nordrhein-Westfalen erfasst, wo es insgesamt bislang 86 im Labor nachgewiesene Infektionen gebe, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Bislang seien zehn Bundesländer und 49 Landkreise betroffen. Die Infizierten waren zwischen zwei und 68 Jahre alt und in der Mehrheit Männer.

mes/lyr/dpa/AFP