Trotz Aufforderung von Jens Spahn Seehofer will sich nicht mit AstraZeneca impfen lassen

Jens Spahn hat seine älteren Kabinettskollegen aufgefordert, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen. Innenminister Seehofer sieht sich bevormundet und lehnt dies ab. Das will er aber nicht als Bewertung des Impfstoffs verstanden wissen.
Innenminister Horst Seehofer: »Ich lasse mich nicht bevormunden«

Innenminister Horst Seehofer: »Ich lasse mich nicht bevormunden«

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / AFP

Bundesinnenminister Horst Seehofer will sich nicht mit der jetzt vor allem für ältere Menschen vorgesehenen Vakzine von AstraZeneca impfen lassen. Das sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Zuvor hatte die »Bild« berichtet, Seehofer, 71, habe einen Appell von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zurückgewiesen. Spahn hatte seine Kabinettskollegen über 60 Jahren gebeten, sich mit dem Impfstoff impfen zu lassen. »Ich lasse mich nicht bevormunden«, wird Seehofer von »Bild« zitiert. Ihm gehe es dabei allerdings nicht um die Bewertung des Impfstoffs an sich.

Spahn betonte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz, dass er in den Runden keine einzelnen Personen adressiert habe. Er verstehe jeden, der wegen Vorerkrankungen Rücksprache mit dem Arzt halte. »Es gibt Situationen, wo das Thromboserisiko da ist«, sagte Spahn. In diesen Fällen sei es sinnvoll, einen anderen Impfstoff zu nutzen. Für Menschen über 60 sei der Impfstoff allerdings sehr wirksam. »Da ich, ohne mich mit einem Arzt intensiv beraten zu haben, dieses Risiko bei mir nicht erkenne, wäre ich persönlich bereit dazu.« Er sei jedoch mit der Impfung noch für eine längere Zeit nicht an der Reihe, sagte Spahn.

AstraZeneca nun vor allem für Ältere

Bund und Länder waren am Dienstagabend der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gefolgt, das Präparat von AstraZeneca vorwiegend für Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. Jüngere können sich nach Rücksprache mit dem Arzt und auf eigenes Risiko weiterhin damit impfen lassen.

Inzwischen sind einige Fälle bekannt, in denen Menschen im zeitlichen Zusammenhang mit einer AstraZeneca-Impfung an einer Sinusvenenthrombose erkrankt waren. Die Auffälligkeiten wurden vor allem bei jüngeren Frauen gemeldet: Laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sind 29 Frauen zwischen 20 und 63 Jahren und nur zwei Männer betroffen. Neun Menschen starben an den Folgen der Blutgerinnsel.

Kretschmann und Steinmeier haben schon AstraZeneca bekommen, Weil würde die Vakzine auch nehmen

Führende Politiker sorgen sich offensichtlich, dass das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den Impfstoff weiter schwinden könnte. Am Donnerstag bekam Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Impfstoff in Berlin verabreicht. »Heute habe ich meine Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten«, hieß es in einer Mitteilung. »Das Impfen ist der entscheidende Schritt auf dem Weg aus der Pandemie. Nutzen Sie die Möglichkeiten. Machen Sie mit!«

Spahn lobte Steinmeier daraufhin. Er freue sich darüber, dass der Bundespräsident sich schütze und damit auch ein Vorbild sei, sagte er.

Bundespräsident Steinmeier: »Machen Sie mit!«

Bundespräsident Steinmeier: »Machen Sie mit!«

Foto: MARKUS SCHREIBER / AFP

Auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), 61 Jahre alt, würde sich AstraZeneca spritzen lassen. Er würde das »sofort machen«, sobald er an der Reihe sei, sagte Weil der »Bild«-Zeitung.

Ab Ostern Impfungen in Arztpraxen möglich

Nach Ostern werden die Impfungen auch in Arztpraxen durchgeführt. Für die erste Woche haben laut Spahn 35.000 Hausarztpraxen 1,4 Millionen Impfdosen bestellt. Ende April seien mehr als drei Millionen Dosen pro Woche für die Praxen vorgesehen. Der Impfstoff gehe vom Bund an den Großhandel und dann über die Apotheken an die Praxen. Begonnen werden solle mit den Hausarztpraxen, dann sollten auch Fachärzte einbezogen werden.

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In den ersten beiden Wochen solle in den Praxen ausschließlich der Impfstoff von Biontech/Pfizer eingesetzt werden. Ab der Woche vom 19. April seien Biontech und AstraZeneca vorgesehen, danach kommt auch der Impfstoff von Johnson & Johnson hinzu. Spahn rief Bürger, die schon Termine in Impfzentren haben, dazu auf, diese auch wahrzunehmen.

mfh/slü/dpa
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