SPIEGEL-Umfrage Ein Fünftel der Deutschen hält Corona-Regeln für übertrieben

Noch immer hält die große Mehrheit der Deutschen die Corona-Einschränkungen für angemessen. Doch die SPIEGEL-Umfrage zeigt auch: Nach Wochen des Lockdowns wächst die Zahl der Kritiker.
Freie Autobahnen und menschenleere Innenstädte - an Ostern hielten sich die meisten Deutschen an die Corona-Einschränkungen

Freie Autobahnen und menschenleere Innenstädte - an Ostern hielten sich die meisten Deutschen an die Corona-Einschränkungen

Foto: Mario Aurich / imago images

Auch über Ostern haben sich die meisten Deutschen an die Regeln gehalten: keine Reisen, keine Familienbesuche, keine großen Ausflüge. Aber wie lange soll das noch so gehen? Wann lassen sich der Kampf gegen das Virus und unser normaler Alltag wieder miteinander vereinen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Mittwoch und an den folgenden Tagen mit den Ministerpräsidenten der Länder darüber sprechen, wie es mit den Kontaktbeschränkungen weitergeht. Vor Ostern hatte sie bereits angekündigt, dabei vor allem die Vorschläge der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu berücksichtigen.

Das Team der Wissenschaftler hat seine Handlungsempfehlungen an die Politik inzwischen vorgelegt. Es gelte, Strategien zur "allmählichen Rückkehr in die Normalität zu entwickeln", heißt es in der Stellungnahme der Forscher.

Dass es Zeit für eine Exit-Debatte ist, dafür liefert auch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL Hinweise. Zwar hält die große Mehrheit der Deutschen die bestehenden Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote immer noch für angemessen. Mit 57 Prozent ist der Wert im Vergleich zu jenem vor zwei Wochen stabil.

Immer mehr Menschen finden die Maßnahmen der Bundesregierung aber übertrieben (21,6 Prozent) - vor zwei Wochen waren es noch knapp 15 Prozent. Andersherum ist die Zahl derer, die die Maßnahmen als nicht ausreichend empfinden, deutlich gesunken, von knapp 29 auf etwa 21 Prozent.

Die Zustimmung zu den Einschränkungen ist bei den älteren Menschen - die auch ein höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf haben - größer. Gut 70 Prozent der Über-65-Jährigen halten die Maßnahmen für angemessen. Übertrieben finden sie in dieser Gruppe nur etwa 13 Prozent. In der Altersgruppe zwischen 30 und 39 Jahren halten dagegen fast 28 Prozent die Maßnahmen für zu strikt.

Union setzt Aufwärtstrend fort

Grundsätzlich scheint die Bundesregierung in der Krise allerdings vieles richtigzumachen. So steigt die Zustimmung der Wähler zur Union laut der Sonntagsfrage weiter an. Bereits in den vergangenen Wochen konnten CDU und CSU zulegen - zunächst als einzige Parteien während der Coronakrise. Nun erreicht die Union knapp 39 Prozent.

Die Grünen dagegen sacken weiter ab von zuletzt 18 auf 15 Prozent. Die Partei hatte sich nach der Europawahl im vergangenen Jahr immer über 20 Prozent gehalten - und zeitweise sogar von einem Kanzlerkandidaten geträumt. Erstmals seit Langem werden sie in der Civey-Erhebung nun wieder von der SPD überholt, die auf knapp 17 Prozent zulegt.

mfh
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