Veranstaltung trotz Coronavirus Spahn hat kein Verständnis für Berlins Alleingang bei Fußballspiel

Trotz der Empfehlungen des Gesundheitsministers will Berlin ein Bundesligaspiel vor Publikum stattfinden lassen. Jens Spahn ist "etwas verwundert". Die Hauptstadt habe noch nicht ganz verstanden, worum es geht.
Volles Haus im Stadion: In der alten Försterei werden rund 22.000 Zuschauer erwartet

Volles Haus im Stadion: In der alten Försterei werden rund 22.000 Zuschauer erwartet

Foto: Matthias Koch/ imago images

Am Samstag soll es in der Alten Försterei in Berlin richtig voll werden. Zu einem ausverkauften Fußball-Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und dem FC Bayern München werden 22.000 Menschen erwartet - trotz Corona. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat dafür kein Verständnis. "Ich bin etwas verwundert, das will ich sagen, über das, was hier in Berlin mit diesem Fußballspiel passiert", sagte er im Deutschlandfunk. Die Verantwortlichen hätten gezeigt, dass sie noch nicht verstanden hätten, worum es ginge.

Mehrere Bundesligaspiele werden am Wochenende ohne Zuschauer stattfinden, um eine Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern. Spahn hatte empfohlen, Großveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern abzusagen. Doch verbieten, wie es etwa offizielle Stellen in Frankreich getan haben, kann Spahn Großveranstaltungen nicht. Im föderalen System in Deutschland entscheidet jede Region selbst, wie sie Spahns Empfehlung umsetzt.

Die meisten Bundesländer halten sich an die Empfehlung des Gesundheitsministers, darunter Bayern, Baden-Württemberg oder Schleswig-Holstein. Hessen und Berlin widersetzen sich einer pauschalen Vorgabe.

Deutschland befinde sich laut Spahn in einer Situation, in der es ein einheitliches Vorgehen gegen die Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 brauche. Der Föderalismus stehe dem nicht im Weg, da alle Behörden zusammen kooperierten. Zur Bekämpfung des Virus gebe es eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit, "jenseits dessen, wo jetzt formale Zuständigkeiten sind". Das sei dann auch eine Stärke des Föderalismus, da so mehr Ressourcen freigesetzt werden könnten, sagte Spahn.

Spiel nun doch ohne Zuschauer?

In Berlin wird indes verstärkt über einen Ausschluss der Zuschauer nachgedacht. Das Gesundheitsamt Treptow-Köpenick schrieb in einer Klarstellung : "Aufgrund der Presseberichterstattung teilt das Bezirksamt mit, dass das zuständige Gesundheitsamt und auch der zuständige Dezernent keine Entscheidung zur Durchführung des Spieles mit Zuschauerbeteiligung getroffen haben". Union-Präsident Dirk Zingler und Bezirksstadtrat Bernd Geschanowski hätten sich zum Thema ausgetauscht. Der Verein habe sich mit der Gefährdungsanalyse auseinandergesetzt und die geplanten Schutzmaßnahmen vorgestellt, dennoch müsse die Lage täglich geprüft werden.

Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sagte dem Berliner Radiosender 105'5 Spreeradio nun: "Nach meinem Kenntnisstand wird das Spiel ohne Zuschauer stattfinden." Ihr Pressesprecher räumte gegenüber dem SPIEGEL ein, Kalayci würde eine Veranstaltung ohne Zuschauer begrüßen. Eine Entscheidung dazu gibt es demnach noch nicht.

Am Donnerstag findet eine länderübergreifende Abstimmung über das Verbot von Großveranstaltungen statt. Sollte dort ein länderübergreifendes Verbot für Veranstaltungen mit mehr als tausend Menschen beschlossen werden, müsste das Bundesligaspiel in Berlin abgesagt werden.

mfh/dpa
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