Söder über Coronakrise "Wir sind dem zweiten Lockdown eigentlich viel näher, als wir das wahrhaben wollen"

Die Zahlen in der Coronakrise steigen auch in Deutschland drastisch an. Nach einem Treffen von Bund und Ländern warnt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor einem zweiten Lockdown. Auch Angela Merkel appelliert an die Bürger.
Angela Merkel (Mitte) appellierte an die Vernunft der Deutschen

Angela Merkel (Mitte) appellierte an die Vernunft der Deutschen

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Stefanie Loos / dpa

Nach den Verhandlungen von Bund und Ländern um neue Maßnahmen in der Coronakrise hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor einem erneuten Lockdown gewarnt. "Wir sind dem zweiten Lockdown eigentlich viel näher, als wir das wahrhaben wollen", sagte er auf einer Pressekonferenz nach dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Bundesländer.

Es sei "vielleicht nicht mehr fünf vor zwölf, sondern Schlag zwölf", um dies zu verhindern, sagte Söder. Andernfalls drohten der Wirtschaft und der Gesellschaft "erheblichste Schäden".

Auch Merkel warnte davor, das Coronavirus zu unterschätzen. "Wenn Sie mich fragen, was ist das, was mich beunruhigt, dann ist das der exponentielle Anstieg. Und den müssen wir stoppen. Sonst wird es in kein gutes Ende führen", sagte die Bundeskanzlerin.

Sie appellierte an die Bevölkerung, die Maßnahmen mitzutragen. "Ich persönlich bin einfach der Meinung, dass wir die Mittel in der Hand haben, uns dem Virus entgegenzustemmen und mit ihm umzugehen." Es gehe um eine Riesenherausforderung, die ganz viel nach sich ziehen könne für die Gesundheit, für die Wirtschaft und auch für die Jugend, sagte Merkel.

Merkel appelliert an junge Leute

Sie appelliere daher an junge Leute, lieber auf ein paar Feten und Partys jetzt zu verzichten, "um morgen und übermorgen gut zu leben". Auch forderte die Bundeskanzlerin die Bürger auf, nicht erforderliche innerdeutsche Reisen in Gebiete und aus Gebieten mit hohen Corona-Infektionszahlen zu vermeiden.

Auf einen einheitlichen Kurs beim umstrittenen Beherbergungsverbot konnten sich Bund und Länder jedoch nicht einigen. Merkel sagte, sie finde es vernünftig, dass nun bis nach den Herbstferien abgewartet werden und Erfahrungen gemacht werden sollten. Sie sagte aber zugleich, es sei noch viel Arbeit zu leisten. Reiseverkehr bringe viele Kontakte mit sich. Merkel sprach von einer "Jahrhundertherausforderung".

Neuinfektionen steigen

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen dramatisch. Am Mittwochmorgen beliefen sich die Zahlen der Neuinfektionen auf 5132, das sind rund 1000 mehr als noch am Vortag. Am Mittwoch vergangener Woche hatten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) noch 2828 Neuinfektionen mitgeteilt. So hoch wie aktuell waren die Zahlen zuletzt Mitte April.

Die aktuellen Werte sind jedoch nicht mit den Zahlen aus dem Frühjahr vergleichbar. Mittlerweile wird wesentlich mehr getestet, demnach werden auch mehr Infektionen entdeckt. Das RKI warnt dennoch. In einer Mitteilung schrieb das Institut: "Aktuell ist ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten." Das gelte für alle Altersgruppen. "Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert", hieß es.

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hba/dpa/Reuters