Versorgungsengpass Bundesministerien empfehlen Mehrfacheinsatz von Masken

Arbeits- und das Gesundheitsministerium legen eine neue Handreichung für Kliniken und Heime vor. Nach SPIEGEL-Informationen sollen Schutzmasken nach Gebrauch für eine erneute Nutzung aufbereitet werden.
Schutzmasken auf einem Transportwagen

Schutzmasken auf einem Transportwagen

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Jens Büttner/ DPA

Der Mangel an Schutzausrüstung zwingt Kliniken, Praxen und Pflegeheime in der Coronakrise zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Laut einem Vorschlag für den Krisenstab der Bundesregierung sollen Schutzmasken künftig nach Gebrauch erhitzt und wieder eingesetzt werden. "In Anbetracht der aktuellen Versorgungsengpässe" müssten alle Möglichkeiten geprüft werden, heißt es in einem gemeinsamen Papier der Bundesministerien für Arbeit und für Gesundheit, das dem SPIEGEL vorliegt. Die Ausarbeitung geht auf Empfehlungen des Robert Koch-Instituts und des Instituts für Arbeitsschutz zurück.

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Kliniken, niedergelassene Ärzte und Pflegeheime klagen seit Wochen über einen Mangel an Schutzmasken, der die Versorgung von Patienten und das medizinische Personal gefährde. Die Bundesregierung steuert den Ankauf von Schutzausrüstung zentral, konnte den Mangel jedoch noch nicht beheben.

Atemschutzmasken, vor allem besonders sichere mit Filterfunktionen, dürfen nach den Vorschlägen für den Krisenstab künftig maximal drei Mal durch Erhitzen wiederaufbereitet werden. Das Papier nennt dazu je nach Maskentyp besondere Auflagen.

Einfache Mund-Nase-Schutzmasken, umgangssprachlich auch OP-Masken genannt, könnten nach entsprechender Erhitzung "im Stationsalltag, in Ambulanzen oder Pflegeeinrichtungen" wiederverwendet werden. Ein Wiedereinsatz bei Operationen ist nicht möglich.

"Voraussetzung ist ein personalisierter Einsatz"

Sogenannte FFP-2-Masken, die nötig sind, um medizinisches Personal vor Ansteckung durch Covid-19-Patienten zu schützen, könnten nach "Hitze-Inaktivierung von Sars-CoV-2" bei 65 bis 70 Grad Celsius wieder eingesetzt werden. Für das Verfahren spreche, dass es auch in Trockenschränken durchgeführt werden könne, die in den meisten Krankenhäusern zur Verfügung stünden. "Voraussetzung ist ein personalisierter Einsatz", heißt es in dem Papier. Jede Fachkraft kann also nur die von ihr selbst zuvor benutzten Masken wiederverwenden.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Bei den Maßnahmen soll es sich um Ausnahmeregelungen handeln. Sie sind auf maximal sechs Monate befristet, in denen eigene Produktionskapazitäten für Schutzmasken in Deutschland aufgebaut werden sollen, heißt es in dem Papier. "In dieser Zeit wird verstärkt der Ankauf neuer Masken betrieben und das Verfahren der Wiederaufbereitung weiter validiert."