Coronakrise Altmaier rechnet mit Bedarf von bis zu zwölf Milliarden Schutzmasken pro Jahr

Deutschland braucht Milliarden Atemschutzmasken, schätzt Peter Altmaier. Und auch deutsche Unternehmen sollen sie produzieren. Der Wirtschaftsminister will einen Investitionszuschuss zahlen.
Eine Frau fährt in Jena mit einem Mundschutz Bus: Die Stadt beschloss Ende März die Pflicht, Mund und Nase in öffentlichen Verkehrsmitteln zu bedecken

Eine Frau fährt in Jena mit einem Mundschutz Bus: Die Stadt beschloss Ende März die Pflicht, Mund und Nase in öffentlichen Verkehrsmitteln zu bedecken

Foto: Jens Meyer/ AP

Im Kampf gegen das Coronavirus will sich die Bundesregierung mit Atemschutzmasken rüsten. Aktuell rechnet die Politik damit, dass Milliarden Masken im Land benötigt werden. "Wenn wir allen Menschen in Deutschland das Arbeiten, Einkaufen und Busfahren mit Mundschutz ermöglichen möchten, brauchen wir zwischen acht und zwölf Milliarden Masken pro Jahr", sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) der "Bild am Sonntag ". Man hätte viel erreicht, wenn ein beträchtlicher Teil davon in Deutschland produziert würde.

Ein entsprechender Produktionsstab ist in seinem Ministerium angesiedelt, von der Milliardenproduktion ist man allerdings noch weit entfernt. "Unser Ziel ist es, dass wir schon in der zweiten Sommerhälfte Millionen OP-Masken und Mundschutze in Deutschland produzieren können", so Altmaier. Man könne den Unternehmen zwar nicht vorschreiben, was oder wie viel sie zu produzieren hätten. "Wir werden die Industrieproduktion aber mit Investitionszuschüssen und Abnahmegarantien mit in Gang bringen."

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Am Freitag hatte Sachsen als erstes Bundesland für den öffentlichen Nahverkehr sowie für den Einzelhandel eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht beschlossen. Die Regelung gelte von Montag an, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach einer Sitzung des Landeskabinetts in Dresden. Zur Abdeckung von Nase und Mund müsse es keine teure FFP2-Maske sein, es reiche auch ein einfaches Tuch oder ein Schal, sagte Kretschmer.

Die Stadt Jena beschloss bereits Ende März eine entsprechende Pflicht. Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) setzt auf das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger. Die erlassene Maßnahme diene dem Schutz der Allgemeinheit, sagte er dem SPIEGEL. Diese greifen nur, wenn alle sich daran halten. "Wer nicht mitmacht, gefährdet andere", sagte Gerlitz. (Lesen Sie hier das ganze Interview: "Niemand ist ein Sonderling, wenn er eine Maske trägt")

Auch in Österreich gilt bereits eine Maskenpflicht. Das Bedecken von Mund und Nase durch einen speziellen Schutz oder einen Schal ist in allen öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften Pflicht.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht die Maßnahme in Deutschland für alle kommen. "Ich bin überzeugt, dass Alltagsschutzmasken bald zu unserem öffentlichen Leben gehören und etwa im öffentlichen Personennahverkehr auch bald zur Pflicht werden können, sobald sie ausreichend verfügbar sind", sagte Weil der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" 

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Die Bundesregierung lehnt eine Pflicht aber weiter ab. Sie empfiehlt lediglich Schutzmasken beim Einkaufen sowie im öffentlichen Nahverkehr. Bund und Länder konnten sich zuletzt nicht auf eine gemeinsame Linie bei der Frage um eine weitergehende Maskenpflicht in Geschäften, Behörden, Bussen und Bahnen einigen. Einzelne Politiker äußerten sich aber in den vergangenen Wochen dazu und befürworteten eine Mundschutzpflicht.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder etwa hatte sich zuletzt für eine solche Pflicht - und dadurch für eine schrittweise Lockerung der öffentlichen Beschränkungen unter strengen Auflagen ausgesprochen.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sieht eine generelle Maskenpflicht kommen. "Wir werden das öffentliche Leben nur schrittweise hochfahren können. Und wir brauchen zusätzliche Maßnahmen wie Mundschutz für alle", hatte sie der "Bild am Sonntag" gesagt.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der sich zuvor eher distanziert zu einer generellen Maskenpflicht geäußert hatte, legte Anfang April ein Expertenkonzept für eine schrittweise Aufhebung der Einschränkungen vor. Auch darin werden Atemmasken für alle empfohlen

sen/dpa/Reuters
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