Coronavirus in Deutschland Altmaier rechnet mit anhaltender Krise

Wirtschaftsminister Peter Altmaier warnt davor, auf ein schnelles Ende der Coronakrise zu hoffen. Er geht davon aus, dass Deutschland noch den gesamten April und Mai mit den Folgen der Pandemie zu tun haben wird.
Wirtschaftsminister Altmaier: Umgang mit Krise ist eine Geduldsfrage

Wirtschaftsminister Altmaier: Umgang mit Krise ist eine Geduldsfrage

Foto: Tobias SCHWARZ / AFP

Im Kampf gegen das neuartige Coronavirus haben sich Bund und Länder am Montag auf umfangreiche Maßnahmen geeinigt. Trotz der massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens, warnt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) davor, auf ein schnelles Ende der Coronakrise zu hoffen.

"Ich gehe davon aus, dass wir sicherlich den ganzen Monat April und den ganzen Monat Mai mit den Folgen zu tun haben", sagte der CDU-Politiker der RTL/ntv-Redaktion. Es werde in dieser Zeit noch eine "erhebliche Zahl von Neuinfektionen" geben. "Deshalb würde ich niemandem raten, darauf zu setzen, dass das in acht Tagen wieder vorbei ist." Japan und Südkorea hätten bemerkenswerte Erfolge im Kampf gegen das Virus erzielt. "Das zeigt, man kann diese Krise in den Griff bekommen, aber das ist auch eine Geduldsfrage."

"Wir haben nicht Wochen, wir haben Tage, damit das alles steht"

Gelder, Kredite und Bürgschaften müssten jetzt schnell und praxisorientiert bereitgestellt werden. "Wir haben nicht Wochen, wir haben Tage, damit das alles steht", sagte Altmaier. "Ich hoffe und erwarte mir auch, dass alle ihren Beitrag leisten, dass wir so schnell wie möglich Geld auch überweisen können", sagte Altmaier. Kleine und mittlere Unternehmer warteten jeden Tag auf das Geld. Die Regierung habe deshalb auch die Insolvenzfristen verlängert. "Das ist ganz wichtig, damit Menschen, denen ohnehin geholfen wird, aber vielleicht nicht am selben Tag, sondern ein, zwei Tage später, nicht in die Bredouille kommen."

Altmaier bestätigte die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass die Bundesregierung an einem Härtefallfonds arbeite, zusätzlich zu Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen und Kredithilfen. "Das heißt, dass man in bestimmten Fällen, denjenigen, die von den genannten Regelungen nicht erfasst sind, helfen kann", sagte Altmaier. Dass der Staat bei strauchelnden großen Unternehmen durch Teilbeteiligungen einsteigt, will der Bundeswirtschaftsminister weiterhin vermeiden. "Wir hoffen und setzen darauf, dass wir als Marktwirtschaft durch diesen Prozess durchkommen, denn das war ja das Erfolgsrezept der vergangenen 70 Jahre."

Die Kanzlerin hatte am Montag die Pläne von Bund und Ländern zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorgestellt. Merkel sagte, sie sei froh, dass die Länder ein gemeinsames Vorgehen beschlossen hätten. Die Umsetzung der Maßnahmen obliege den Ländern und Kommunen. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Steinmeier ruft zu Verantwortungsbewusstsein auf

Merkel sagte zudem, sie setze auch darauf, dass es ein Einsehen bei den Bürgern gebe. Man komme umso schneller durch diese Krise, je schneller sich jeder Einzelne an diese Einschränkungen halte.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Deutschen zu Verantwortungsbewusstsein auf. Er bitte "uns alle: Seien wir vernünftig, seien wir solidarisch", sagte Steinmeier in einer Videobotschaft. "Wir müssen jetzt unseren Alltag ändern - jede und jeder Einzelne."

"Ihre Selbstbeschränkung heute wird morgen Leben retten", sagte Steinmeier. Er zeigte sich zugleich überzeugt, dass sich das Virus nur durch die gesamte Weltgemeinschaft besiegen lasse. "Wir müssen jetzt als Europäer zusammenhalten - wir haben es in der Hand, ob Solidarität nach innen und nach außen die Oberhand gewinnt oder der Egoismus des Jeder-für-sich." 

asc/dpa