Neue Studie Rechtspopulisten durch Corona im Aufwind

»Krisenzeiten sind immer Einfalltore für Unzufriedenheit und Protest«: Rechtspopulistische Parteien in ganz Europa profitieren laut einer neuen Studie von der Coronapandemie.
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Foto: Andreas Arnold/DPA

Die Coronapandemie hat Rechtspopulisten in ganz Europa Rückenwind verschafft. Das ist das Ergebnis einer Studie des Mercator Forums Migration und Demokratie (Midem) an der Technischen Universität Dresden. Wissenschaftler hatten dafür Beiträge populistischer Parteien in zwölf Ländern quantitativ und qualitativ analysiert.

»Krisenzeiten sind immer Einfallstore für Unzufriedenheit und Protest«, sagte Midem-Chef Hans Vorländer bei der Vorstellung der Studie »Corona und Rechtspopulismus« in Dresden. In solchen Zeiten hätten politische Kräfte leichtes Spiel, Sorgen, Ängste und Ressentiments zu schüren und Eliten, Institutionen oder gar ein ganzes System an den Pranger zu stellen. So sei es auch schon in der Migrationskrise gewesen.

Allerdings differenziert die Analyse auch klar. Generell sei Corona nicht unbedingt ein Gewinnerthema für Rechtspopulisten gewesen, sagte Vorländer. »Aber sie konnten dort reüssieren, wo sie schon bestehende Entfremdungserfahrungen und populistische Einstellungen einzelner Bevölkerungsgruppen mit ihrer Systemkritik aufzugreifen und zuzuspitzen vermochten.«

Auch AfD profitiert von Coronaskeptikern

Mit Blick auf die AfD zeigt die Studie, dass ihr populistischer Stil ausschlaggebend sei, dass sich zahlreiche Coronaskeptikerinnen und -skeptiker hinter der Partei versammeln. So zeige die repräsentative Befragung zu den Coronamaßnahmen in Sachsen, dass ablehnende Positionen zu den staatlichen Infektionsschutzmaßnahmen vor allem mit populistischen Orientierungen in Zusammenhang stehen. Das bedeute: Menschen, die die Coronamaßnahmen ablehnen, fühlten sich oft von Politik und Institutionen wenig oder schlecht repräsentiert. Dagegen würden kritische Haltungen zu den Infektionsschutzmaßnahmen seltener mit ethnozentrischen oder autoritären Einstellungen im Zusammenhang stehen.

Vorländer gilt als Experte unter anderem für Themen wie Rechtspopulismus und Migration, das Forschungszentrum MIDEM an der TU Dresden leitet er bereits seit 2017. Zuletzt hatten der renommierte Politologe und sein Team im Sommer in der Studie »Covid-19 in Sachsen« unter anderem die Impfskepsis im Freistaat untersucht . Die Ergebnisse waren wiederum Grundlage für andere Untersuchungen etwa zur Frage, wie sich unentschlossene Ungeimpfte noch umstimmen lassen könnten.

als/AFP
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