RKI-Chef Wieler »Es ist keine Frage, ob Delta zur führenden Variante wird, sondern wann«

50,1 Prozent der Deutschen sind mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. RKI-Chef Wieler warnt jedoch vor zu schnellen Lockerungen: Die aggressive Delta-Variante werde sich bald auch in Deutschland ausbreiten.
RKI-Präsident Wieler, Gesundheitsminister Spahn bei der Presskonferenz am Freitag

RKI-Präsident Wieler, Gesundheitsminister Spahn bei der Presskonferenz am Freitag

Foto: Carsten Koall / dpa

Im Kampf gegen das Coronavirus hat inzwischen jeder zweite Bundesbürger mindestens eine Spritze bekommen. 41,5 Millionen Menschen – 50,1 Prozent der Gesamtbevölkerung – sind mindestens einmal geimpft, teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin mit. Vollständig mit der meist notwendigen zweiten Spritze geimpft sind demnach 29,6 Prozent der Bevölkerung.

Der Fortschritt der Impfkampagne gebe »Anlass zur Zuversicht, aber nur dann, wenn wir dabei vorsichtig bleiben«, sagte Spahn. Er warnte vor dem Anstieg der in Indien entdeckten Delta-Virusvariante in Deutschland. Die Virusvariante sei besonders ansteckend, »das kann dazu führen, Erfolge in der Virusbekämpfung wieder infrage zu stellen«, so Spahn. Derzeit würde sie sich auf niedrigem, aber schnellem Niveau in Deutschland verbreiten.

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»Es ist keine Frage, ob Delta zur führenden Variante wird, sondern wann«

Der Anteil der Variante Delta lag dem jüngsten Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge in Deutschland bei 6,2 Prozent. In der Woche davor waren es noch 3,7 Prozent. Der Präsident des RKI, Lothar Wieler, mahnt daher zur Vorsicht: »Wir sind sehr froh und sehr dankbar darüber, wie sich die Zahlen entwickeln«, so Wieler. Aber die Pandemie sei nicht vorbei. Deutschland dürfe seine Erfolge jetzt nicht leichtfertig verspielen. Insofern sei es wichtig, weiterhin nur »behutsam und kleinschrittig« zu öffnen.

Die Delta-Variante sei wesentlich ansteckender als die hier noch verbreitete Alpha-Variante, so Wieler. »Es ist keine Frage, ob Delta zur führenden Variante wird, sondern wann.« Spätestens im Herbst, so Wielers Prognose, wird sie in Deutschland die Hoheit übernehmen. Der Blick nach Großbritannien zeige, dass sie Jüngere angreift. Eine Impfung schütze zwar gut vor der deutlich aggressiveren Variante – aber nur eine vollständige. Noch seien in Deutschland zu wenige Personen zweitgeimpft.

»Die Masken schützen gegen alle Varianten«, sagte Wieler, die müssten weiter getragen werden. Nur Vorsicht während des Sommers verhindere, dass es im Herbst zu einem starken Anstieg der Delta-Virusvariante komme.

»Besser 1000 Masken zu viel als eine zu wenig«

Spahn und Wieler sprachen sich daher weiterhin für umfangreiches Testen und das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in Innenräumen und dem Nahverkehr aus. Sie erinnerten an die Rückschritte in Großbritannien. Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante hat die britische Regierung dort die eigentlich für den 21. Juni geplante Aufhebung aller Coronamaßnahmen bis zum 19. Juli verschoben.

Kritik an der umstrittenen Maskenbeschaffung des Gesundheitsministeriums wies Spahn zurück. Die Coronakrise sei eine noch nie dagewesene Krise für Deutschland, man sei zu schlecht vorbereitet gewesen. Er habe aktiv handeln müssen. Für Masken wie auch Impfstoffe gelte: »Besser 1000 zu viel als eine zu wenig.« Für die Zukunft brauche es bessere Strukturen, um besser vorbereitet zu sein.

Der Bundesrechnungshof hatte in einem Prüfbericht kritisiert, Spahn habe in einem ungeordneten Prozess viel zu viele Masken beschafft und dabei enorme Ausgaben in Kauf genommen. Demnach habe er rund zehn Mal mehr Masken geordert als nötig.

mrc
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