Coronasommerwelle Gesundheitsminister Lauterbach warnt vor steigenden Infektionszahlen und empfiehlt Auffrischungsimpfung

Wegen des neuen, leicht übertragbaren Omikron-Subtyps steigen die Coronazahlen wieder. Gesundheitsminister Lauterbach hat sich über die Sommerwelle besorgt gezeigt. Menschen aus Risikogruppen sollen sich erneut impfen lassen.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD): »Die angekündigte Sommerwelle ist leider Realität geworden«

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD): »Die angekündigte Sommerwelle ist leider Realität geworden«

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Der neue Omikron-Subtyp BA.5 lässt auch im Sommer die Coronazahlen steigen. Angesichts des Infektionsgeschehens hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Älteren und Menschen mit Vorerkrankung zu einer Auffrischungsimpfung geraten. »Die angekündigte Sommerwelle ist leider Realität geworden. Das bedeutet auch für die nächsten Wochen wenig Entspannung«, sagte Lauterbach der »Rheinischen Post«.

Der bisher beobachtete Sommereffekt in der Pandemie verpuffe diesmal. Grund dafür sei unter anderem, dass die aktuell zirkulierende Virusvariante sehr leicht übertragbar sei. Außerdem seien fast alle Vorsichtsmaßnahmen ausgelaufen, erläuterte Lauterbach der Zeitung. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwochmorgen bei 472,4 und damit fast doppelt so hoch wie vor einer Woche. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 447,3 gelegen (Vorwoche: 238,1; Vormonat: 452,4).

»Älteren und Vorerkrankten empfehle ich daher dringend, sich noch mal impfen zu lassen«, so Lauterbach weiter. Dies verhindere nicht unbedingt eine Infektion, aber es verhindere schwere Krankheitsverläufe. Bereits am Dienstag hatte Lauterbach dazu aufgerufen, wegen der sprunghaft steigenden Coronazahlen in Innenräumen wieder Schutzmasken zu tragen. Dies und eine vierte Impfung seien die wirksamsten Gegenmittel. In Deutschland erhielten laut Bundesgesundheitsministerium bisher 5,2 Millionen Menschen eine zweite Auffrischungsimpfung. Dies sind 6,3 Prozent der Bevölkerung.

Abbildung der Infektionslage unvollständig

Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem, weil bei Weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Auch der Vorsitzende des Virchowbundes, Dirk Heinrich, rief zur Impfung auf – vor allem jene, die noch keinen Impfschutz haben. »Wer noch nicht geimpft ist, sollte sich jetzt impfen lassen, um eine schwere Erkrankung zu vermeiden«, sagte Heinrich der »Rheinischen Post«. Der Virchowbund ist ein Verband, der die Interessen der niedergelassenen Ärzte vertritt. Auch Heinrich wies darauf hin, dass sich Ältere oder Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, eine Auffrischungsimpfung abholen sollten. Die Politik rief er dazu auf, Vorbereitungen für den Herbst zu treffen.

col/dpa/AFP